30 Mai

Der demografische Wandel

 

Der demografische Wandel

Ist hier jemand, der meinem Rollstuhl schiebt?        

 

Wenig Nachwuchs, alternde Bevölkerungen und eine zunehmende Zahl von Menschen aus anderen Ländern und Weltreligionen werden Europa in den nächsten Jahrzehnten nachhaltig verändern. Die Weichen für diese Entwicklung wurden vor Jahrzehnten gestellt, aber den Höhepunkt der Alterung werden die europäischen Gesellschaften erst in 30 bis 40 Jahren erleben.

 

Europas Bevölkerungszahl dürfte kaum noch weiter zulegen, könnte aber schon bald mit dem Schrumpfen beginnen. Der Trend ist unumkehrbar. Die Bundesrepublik Deutschland wird von 82 Millionen jetzt auf 67 Millionen im Jahr 2050 geschrumpft sein. In Österreich sind die Zahlen ganz ähnlich.

 

Immer älter, immer weniger?

Schauen wir uns zunächst die aktuelle Lebenserwartung an. Im Jahr 1950 wurde der deutsche Mann im Durchschnitt 62 Jahre alt. Im Jahr 2000 wurde derselbe Mann 72 Jahre alt. Im Jahr 2050 wird er 82 Jahre alt sein. Ähnlich bei den Frauen:  1950 wurde die durchschnittliche deutsche Frau 67 Jahre. Im Jahr 2000 wurde sie 77 Jahre und 2050 darf sie damit rechnen 87 Jahre zu werden.

 

Auf Grund dieser Statistik können wir sagen, dass die Lebenserwartung innerhalb von 100 Jahren um 20 Jahre zugenommen hat. Die Anzahl der 100jährigen wird sich bis 2050 verzwölffacht haben. Ein „gesegnetes“ Alter? Da werden wir uns wohl die näheren Umstände ansehen müssen. Denn hohes Alter ist häufig verbunden mit abnehmenden Fähigkeiten, Krankheit und Pflegebedürftigkeit.

 

Welche Folgen hat es, wenn wir immer älter werden?

Auf vier Berufstätige werden in Zukunft fünf Pensionisten kommen. Was bedeutet das für unser Pensionsystem? Ist der Sozialstaat in Gefahr?  Dann wäre alt, arm und arbeitslos ein unabwendbares Schicksal. Eine Zusatzrente wird bereits seit mehren Jahren empfohlen. Auch Form und Beginn des Rentnerdaseins müssen geändert werden. Pension mit 74? Nicht unwahrscheinlich, aber heute ein Albtraum für alle, die unter Gesundheitsproblemen leiden.

 

Der Arbeitsmarkt muss  bald auf diese demografischen Entwicklungen reagieren. Eine oft zurecht als Jugendwahn bezeichnete Diskriminierung älterer Menschen ist hausgemacht. Mit 55 gehört man angeblich schon zum alten Eisen und ist durch das Arbeitsamt kaum noch vermittelbar. Hier ist ein Umdenken notwendig. Dies zeigt das Beispiel Schweden. Dort liegen die Beschäftigungsquoten der 55– bis 64jährigen bei 70 %. Sie sind leistungswillig und leistungsfähig. Eine vielfach noch jugendorientierte Wirtschaft und Gesellschaft sollte sich daher bewusst machen dass

  • die Leistungsunterschiede innerhalb einer Altersgruppe oft größer sind als die zwischen jungen und älteren Beschäftigten
  • eine Fortbildung älterer Erwerbstätiger durch aus sinnvoll ist, da sie noch lange im Arbeitsprozess bleiben.
  • die Beeinträchtigung durch ungünstige Arbeitsbedingungen (Lärm, schlechtes Licht, Schichtarbeit) nimmt bei den Älteren zwar zu. Gesunde Arbeitsplätze kommen jedoch sowohl jüngeren als älteren  Menschen zugute.
  • sensorische und psychomotorsche Beeinträchtigungen älterer Erwerbstätiger können vielfach durch Umsicht mehr als ausgeglichen werden, wie Unfallanalysen verdeutlichen.

 

Körperlich belastende Aufgaben werden besser von jüngeren bewältigt. Ältere können besser mit Wissen und Erfahrung überlegt und planend handeln.

               

Auch die Wirtschaft wird sich umstellen müssen. Es wird eine steigende Zahl von Einpersonenhaushalten geben. Seniorenwohnungen müssen altersgerecht und barrierefrei gebaut werden. Schon heute ziehen viele ältere Menschen aus ihren großen Häusern aus in kleine Wohnungen, weil sie die Arbeit dort nicht mehr bewältigen können.

               

In der Regel wird aber die Überalterung einer Gesellschaft als finanzielles Problem gesehen. Sind unsere Pensionen noch sicher? Die zeitliche Spanne zwischen Pensionierung und Tod eines Menschen wird immer größer. Das Leben von Menschen wird zunehmend durch medizinische Maßnahmen künstlich verlängert und das erhöht insgesamt die Kosten für die medizinische Versorgung, aber auch für Pflege und Betreuung.

               

Wenn eine Gesellschaft nicht mehr ausreichend in der Lage ist, für ihre Bevölkerungsteile zu sorgen, die nicht erwerbstätig sind, entsteht eine Versorgungslücke: Wer schiebt den Rollstuhl?  Doch bei entsprechendem Zusammenhalt müsste es nicht bis zur demografischen Katastrophe kommen. Auch die politischen Strategien werden sich in der Zukunft ändern müssen.

 

Die Chancen des demografischen Wandels

Wir sollten den Menschen keine Angst machen und zeigen, dass der demografische Wandel auch etwas Positives sein kann. Wir leben länger, und das ist ja erst einmal schön“, so eine deutsche Kommunalpolitikerin. Doch es müssen Dinge neu gedacht werden. Zum Beispiel muss der Verbraucherschutz für Senioren verbessert werden, indem an den Regalen große Preisschilder zur Verfügung stehen. Sitzgelegenheiten in großen Supermärkten und riesigen Möbelhäusern wären hilfreich. Sie sind für Gehbehinderte schlicht einfach nicht zu schaffen. „Senioren sind eine hochinteressante Verbrauchergruppe, um die wir uns mehr kümmern müssen“ , zumindest solange ihre Kaufkraft vorhanden ist.

               

Auch Zukunftstechnik ist für Senioren einsetzbar, zum Beispiel so: „Paro kann quietschen, ein paar Worte sprechen und mit den Augen blinzeln. Die in Japan erfundene Roboter– Robbe, mit der Demenzkranke therapiert werden, ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Wirtschaft auf eine alternde Gesellschaft einstellt. Auch wenn das putzige Tierchen mittlerweile in 23 Länder exportiert wird, ist es bei uns reichlich unbekannt. Dabei gäbe es durchaus Bedarf. Auch wir stehen wegen des demografischen Wandels vor ebenso großen Herausforderungen wie Japan.

               

Für den „Zusammenhalt der Generationen“ gibt es ebenfalls noch Nachholbedarf. Heute schon sehr gefragt sind Großmütter, die ihre Enkelkinder groß ziehen oder der „Leihopa“, der die berufstätigen Mütter entlastet. So helfen die Alten den Jüngeren und auch umgekehrt. Mit Kindern bleibt man länger jung und fit. Vielen Älteren würde es wieder Sinn im Leben geben und die Einsamkeit vertreiben. Andererseits profitieren die Kinder auch von der Lebenserfahrung der Älteren. Diese Lösung ist jeder Kita vorzuziehen.

               

Neue Zeiten erfordern auch neue Formen des Zusammenlebens. Das weit zurückliegende Modell der Mehrgenerationenfamilie wird Zulauf gewinnen. Da es in der langen Vergangenheit über viele Generationen funktioniert hat, kann es auch in der Zukunft funktionieren, so ferne man bereit ist, persönliche Egoismen zurückzustellen.

               

Die Schrumpfung und die Alterung der Bevölkerung wird gerade den bisher vom Arbeitsmarkt benachteiligten „stillen Reserven“ völlig neue Chancen eröffnen. Angebote für eine Altersteilzeitbeschäftigung könnten für viele Menschen noch attraktiv sein.

Bücher und Fernseh-Talkrunden stellen den bevorstehenden Bevölkerungsschwund als soziale und wirtschaftliche Zeitbombe dar, was es auch werden könnte - es sei denn wir stellen uns um! In Wirklichkeit bietet der demografische Wandel aber auch übersehene Chancen.

 

Die Paradigmen ändern — vom Jugendwahn zur Wertschätzung des Alters

Nach Jahrzehnten des Jugendkultes in der Gesellschaft braucht es wieder ein Nachdenken zum Thema „in Würde altern“. Und dass „alte Eisen“ nicht als angeblich unbrauchbar weggeworfen werden, sondern einer angemessenen Beschäftigung zugeführt werden können. Das biblische Menschenbild erhebt den alten Menschen und räumt ihm eine ehrenvolle Stellung ein: Die „Ältesten“ in Israel waren Ratgeber, Mitregierer und wurden bei wichtigen Entscheidungen gefragt. Man achtete sie als weise und lebenserfahren. Sie wurden nicht in ein Kammerl gesteckt mit der Bewertung: „Wir brauchen dich nicht mehr, du bist unproduktiv!“

               

Unproduktiv — das ist heute eine Komponente, die bis in die medizinische Versorgung hineinreicht. In Großbritannien zum Beispiel bekommt man ab 65 keine Dialysebehandlung mehr. Es gibt immer mehr Demenzkranke. Wo werden sie menschenwürdig betreut und gepflegt? Das wird eine riesige gesellschaftliche Herausforderung - aber auch eine Chance, für alle, die christliche Nächstenliebe ausleben wollen. Wenn jemand Achtung vor dem Alter praktizieren kann, dann sollten  es Christen sein.

               

Auch in den christlichen Kirchen und Gemeinden ist der Trend der Alterung längst angekommen. Die größte Gruppe sind doch die älteren Menschen. Hat sich „Kirche“ darauf eingestellt?  Man bemüht sich meist die Jugend zu erreichen und opfert dabei das Evangelium dem Zeitgeist, weil es sich einfach nicht zur Unterhaltung  eignet. Aber wer bemüht sich um die Generatio 60 plus, die in der Regel noch die besten religiösen Kenntnisse hat? Die Seniorenkreise sind oft die größte Gruppe. Wir brauchen einen Aufbruch zum älteren Menschen. Sie brauchen Jesus Christus genauso wie die Jungen. Und sie sind es auch in der Regel, die überhaupt noch christliche Werte an ihre Enkel vermitteln können.  Wichtig ist allerdings, dass man für sie die Verkündigung und den Gottesdienst umstellt — verständlich, laut genug und nicht zu schnell.

               

Seelsorge am alten Menschen, das ist eine Riesenchance, dass sie sich in christlichen Gemeinschaften angenommen und geborgen fühlen. Gott liebt ältere Menschen und er hat für sie Zusagen gegeben: „Ja, ich will euch tragen bis ins Alter und bis ihr grau werdet. Ich will es tun, ich will heben und tragen und erretten!“ (Jes. 46, 4)

    

Gott bemisst den Wert eines Menschen anders und reduziert ihn nicht auf ein Kosten-Nutzen-Verhältnis.

 

 

Ewiges Leben — auf Erden oder im Himmel?

Ein Kommentator von „Spiegel Online“ meint,  die Alterung der Gesellschaft bedeutet, dass die Menschheit ihrem Urtraum vom ewigen Leben ein kleines bisschen nähergekommen sei. Leider ist das eine Illusion.

               

Kein einziges Leben auf dieser Erde kann ewig dauern, nur eben länger oder kürzer. Der Fluch der Sünde lastet von Anfang an auf der ganzen Menschheit, daher ist jeder Mensch der Sterblichkeit preisgegeben. Die biblische Regel besagt: „Unser Leben dauert siebzig Jahre und wenn´s hoch kommt, so sind´s achtzig Jahre, und wenn es kostbar gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen. Es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.“  (Psalm 90,10) Trotz optimaler medizinischer Versorgung, trotz Fortschritten in Wissenschaft und Technik wird sich der Traum vom „ewigen“ Leben hier nicht erfüllen. Da mögen wir uns nichts vormachen. Außerdem ist das Altern auf dieser Welt oft begleitet von Funktionseinschränkungen — nicht mehr hören, sehen, laufen können, häufig unter Krankheit und Schmerzen leiden. Ein „ewiges“ Leben unter solchen Vorzeichen wäre bestimmt nicht wünschenswert.

               

Es gibt zwar ein ewiges Leben, aber unter ganz anderen Vorzeichen. Die gute Nachricht: Es wäre für jeden erreichbar, der bereit ist, die Bedingungen dafür zu erfüllen! Jeder Bibelleser weiß, dass er dieses ewige Leben gewinnen oder verlieren kann.

Jesus Christus spricht: „Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie; und sie folgen mir nach und ich gebe ihnen das ewige Leben…“ (Joh.10, 27+28) Es ist also Jesus Christus, der Erlöser der Menschen, der ewiges Leben verleiht, den Menschen die an ihn glauben und die ihm nachfolgen. Wer an Jesus als seinen Erretter glaubt, der wird zum Kreuz kommen. Er wird dort seine Sünden bereuen, Jesus um Vergebung bitten, er wird ihm gehorsam sein und fortan seine Gebote halten. Das sind die Bedingungen für das ewige Leben. Jesu Nachfolger müssen zwar hier sterben wie alle anderen auch, aber sie erwartet ein herrlicher Auferstehungsmorgen! Am Ende der Zeit bei Jesu Wiederkunft werden seine Gläubigen auferweckt zum ewigen Leben im Reich Gottes! Das ist die selige Hoffnung unzähliger Christen in allen Zeitaltern.

Daran halten auch wir fest, entgegen allem Unglauben, der heute verbreitet wird.

               

Doch dieses ewige Leben wird ganz anders sein als auf unserer Welt. Alle Spuren der Sünde, Sterblichkeit und des Zerfalls sind beseitigt. „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“  (Offenb. 21,4)

               

Gott schafft alles neu. Eine neue Umwelt ohne Zerstörung, einen neuen, unsterblichen Körper für jeden Menschen, mit ewiger Jugend, Kraft und Gesundheit. Alle Übel und Gebrechen des Alters wird es dort nicht mehr geben, denn es ist eine neue Welt, in der Gerechtigkeit wohnt.

Möchten Sie, lieber Leser, nicht auch Anteil haben an dieser herrlichen Hoffnung?