17 Aug

Warum Religionsfreiheit?

 

Warum Religionsfreiheit?

Der Respekt vor der Unterschiedlichkeit           

 

Die Freiheit ist weltweit auf dem Rückzug.

Die US-Menschenrechtsorganisation FreedomHouse warnt: 2015 war das zehnte Jahr in Folge, in dem Demokratie und Bürgerrechte zurückgehen.

 

Nach Einschätzung dieser Organisation ist im vergangenen Jahr in 72 Staaten von insgesamt 195 die Menschenrechte beschnitten worden.

 

Noch 1989 schienen goldene Zeiten für Demokratie und Freiheit anzubrechen, als in Osteuropa der Eiserne Vorhang fiel und die kommunistischen Regimes kollabierten und in Südafrika das Ende der Apartheid eingeläutet wurde. Doch nun sind weltweit „Pro-forma-Demokratien“ auf dem Vormarsch. Überall dort, wo Menschenrechte und Freiheit beschnitten werden, bleibt auch die Religionsfreiheit auf der Strecke.

Das Recht auf Religionsfreiheit ist zunehmend bedroht und das geht nicht nur Gläubige etwas an, sondern alle, denen die Rechte auf Leben, Freiheit, Rechtsschutz oder Selbstbestimmung etwas bedeuten!

               

Am Beispiel Russland

Die Entwicklung Russlands unter Wladimir Putin zeigt: Es gibt ein Parlament, es gibt verschiedene Parteien und eine „auf dem Papier“ unabhängige Justiz. Doch es ist längst ein Klima von Unfreiheit entstanden. Die nationalistische russische Identität ist eng verbunden mit der Russich-Orthodoxen Kirche, die das Sagen hat. Eine neuere Schlagzeile offenbart: „Neues Gesetz in Russland — keine Evangelisation außerhalb der Kirche.“ Die geplanten neuen Überwachungs- und Antiterror-Gesetze sind in Russland am 20. Juli in Kraft getreten. Missionarische Tätigkeiten werden in Russland künftig drastisch beschnitten. Um ihren Glauben weiterzugeben, müssten Christen eine Erlaubnis über eine registrierte religiöse Organisation beantragen. Sie könnten nirgends außerhalb ihrer Kirchen evangelisieren, selbst nicht in Privathäusern. Damit aber kommt jeder Christ mit dem Missionsauftrag Jesu in Konflikt: „Darum geht hin und lehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes!“ (Matth. 28,19)

Dieses Gebot Jesu, Glauben weiterzugeben ist damit für Bibelchristen unverzichtbar.

 

Die Leiter der protestantischen Kirchen von Russland nennen den Gesetzesentwurf daher in einem Brief an Präsident Putin eine Verletzung der Religionsfreiheit und des persönlichen Gewissens, und sie bemerken: „Die neuen Gesetze sind nicht nur absurd und beleidigend, sie schaffen auch die Basis für Massenverfolgung von Gläubigen, die die neuen Regeln verletzen. Die sowjetische Geschichte zeigt uns, wie viele Menschen verschiedenen Glaubens verfolgt wurden, weil sie das Wort Gottes weitergegeben haben.

Dieses Gesetz wirft uns zurück in eine beschämende Vergangenheit!“ (Amn.“Archipel Gulag“)Aber sie sagen auch konsequent, wenn es sein muss, wird uns das nicht hindern unseren Glauben zu leben und weiterzugeben. Der Missionsauftrag Jesu gilt nicht nur für Zeiten der Freiheit!

 

Hier erkennen wir die eigentliche Problematik: Der christliche Glaube kleinerer Kirchen und Minderheiten kann strafbar werden, wenn ein Staat die religiöse Gesetzgebung übernimmt. Die saubere Trennung von Kirche und Staat ist ein Garant dafür, dass ein Staat keine religiösen Gesetze macht, die so gut wie immer eine Basis für die Verfolgung von Minderheiten sind.

 

Auch im „Land der Freiheit“ geht es mit der religiösen Freiheit zu Ende. Das amerikanische Nachrichtenmagazin „Time“, eines der führenden Magazine in den USA ließ Ende Juni mit einer Schlagzeile aufhorchen: „Normale Christen sind in der amerikanischen Kultur nicht mehr willkommen!“ Die Autorin des dazugehörigen Artikels schildert darin, wie die Intoleranz gegenüber Christen immer weiter zunimmt. Die Weitergabe einer Bibel, ein öffentliches Gebet, die Verteidigung christlicher Morallehren - all das kann dazu führen, dass man vom Dienst „gefeuert“ oder gar gerichtlich belangt wird.

 

Weltweit hat sich gezeigt, dass in den vergangenen zehn Jahren der Einfluss religiöser Dogmen in 53 Ländern aber zugenommen hat. Gesellschaftliche Konflikte werden immer häufiger entlang religiöser Konflikte ausgetragen, wie man in Nigeria, Syrien oder dem Irak an dem zunehmenden Einfluss von radikalen islamistischen Gruppen erkennt. Die Instrumentalisierung von Religion für politische Zwecke ist für eine demokratische Entwicklung ungesund, denn die Gegenseite hat ja den falschen Glauben und muss daher bekämpft werden! Noch ist der dominierende Einfluss der Religion überwiegend auf den arabischen Raum beschränkt, doch in zunehmendem Maß schwabbt es auch nach Europa herein, was eine religiöse Aufladung der Gesellschaft zur Folge haben könnte.

 

Der Weltverfolgungsindex

Das überkonfessionelle Hilfswerk Open Doors erstellt jährlich eine Rangreihenfolge von jenen 50 Ländern, die Christen am meisten verfolgen und diskriminieren: „Weltweit 230 Millionen verfolgte Christen“. Seit 2014  haben Übergriffe  auf Christen deutlich zugenommen, am meisten im Nahen Osten. Der Index soll dazu beitragen, die Not der Christen in diesen Gegenden bewusst zu machen. Während Open Doors Verfolgungen von Christen vor allem in islamisch geprägten Staaten ausmacht, zeigen andere Berichte, dass es vor allem autoritäre Staaten sind, die den Glauben instrumentalisieren und religiösen Hass schüren.

Wenn radikale Islamisten das Zepter übernehmen, dann leiden aber nicht nur Christen, sondern auch muslimische Mitbürger unter ihren Repressionen. Wie gesagt: Verfolgungen aus religiösen Gründen sind vor allem dort lokalisiert, wo die Menschenrechtslage allgemein schlecht ist. Es gibt einen „harten Kern“ von Ländern, deren autoritäre staatliche Verfassung die freie Äußerung von Meinungen und Überzeugungen insgesamt behindern. Dazu zählen heute vor allem Saudi Arabien, der Iran und andere Länder in Afrika, in Asien und vor allem im Nahen Osten.

 

Die Zahlen und Berichte über Verfolgung und Bedrängung von Christen zeigen auch deutlich, dass dort, wo die Religionsfreiheit für Christen eingeschränkt ist, sowohl die Freiheit anderer Religionen als auch die Rechte von Minderheiten und Dissidenten missachtet werden. Kurzum: Ein Rechtsstaat, der Religionsfreiheit garantiert, bietet nach wie vor den besten Schutz vor Verfolgungen.

 

Religiöse Konflikte in Europa?

 

In Wien existiert ein weltweit einmaliges Institut, das „Dokumentationsarchiv der Intoleranz gegen und Diskriminierung von Christen in Europa“. Die Leiterin, Frau Dr. Kugler merkt an: „Seit einiger Zeit erleben wir in Europa ein starkes Anwachsen von Diskriminierung gegenüber Christen, das jedoch in der Öffentlichkeit kaum thematisiert wird. Wir möchten dazu beitragen, dass diese Fälle nicht einfach übersehen oder vergessen werden.

Das Wiener Dokumentationsarchiv hat in seinem am 28. Juni veröffentlichten Bericht für das Jahr 2015 180 Fälle (vgl. 2014 150 Fälle) dokumentiert, etwa gewalttätige Übergriffe auf Christen, Kirchen und Friedhöfe, antichristliche Beschimpfung oder Diskriminierungen am Arbeitsplatz. Frankreich steht in der Erhebung mit 63 Vorfällen - vor allem Zerstörungen von Kirchen und Friedhöfen - an der Spitze, gefolgt von Deutschland mit 20, Italien mit 14 und Großbritannien mit 13. Daran dürfte vermutlich nicht nur die Islamisierung, sondern auch eine radikale Säkularisierung und Atheisierung beteiligt sein.

 

Doch Diskriminierung beginnt mit einer negativen Stereotypisierung. Sowohl OSZE als auch der Europarat haben sich mit Sorge gegen die wachsende Intoleranz gegenüber Christen in Europa ausgesprochen. Insgesamt 42 Gesetze in 15 Mitgliedsstaaten der EU wurden offengelegt, die die freie Ausübung des christlichen Glaubens einschränken. Das betrifft unter anderem die Gewissensfreiheit, Elternrechte, die Redefreiheit und die Privatautonomie.

    

Die Rolle der Medien in diesem Bereich ist zu hinterfragen. Sie berichten häufig nicht, was Sache ist, sondern haben eher Einschaltquoten und Leserzahlen im Auge. Da wird in reißerischer Art und Weise von einem Einzelereignis - ein Prediger in den USA der den Koran verbrennen wollte - berichtet, was dann doch nicht geschah. Dass zeitgleich ständig weltweit Bibeln und Kirchen, ja bisweilen auch Christen verbrannt werden, ist den Medienanstalten kaum eine Meldung wert. So tragen Massenmedien nicht zum Frieden bei, sondern heizen eher Religionskonflikte an, um dann mit dem Finger zu zeigen, wie schlecht Religion überhaupt ist! Wir müssen an dieser Stelle daran erinnern, dass man durch mediale Hetze und Falschdarstellung religiöse Gruppierungen „zum Abschuss“ vorbereiten kann, indem durch ständige Wiederholung die Bevölkerung dagegen eingenommen wird. Das ist alles in jüngerer Geschichte schon einmal dagewesen. 

 

Religionsfreiheit als Grundlage der Menschenwürde

Der Mensch wurde nach dem Bilde Gottes als freies Wesen geschaffen. Gott hat dem Menschen von Anfang an die Freiheit der Wahl gelassen und er hat ihn gewarnt, dass jede Freiheit Verantwortung beinhaltet: „Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.“ (1. Mose 2, 16.17.)

Diese in Liebe gewährte Freiheit kann nur durch Gegenliebe und Vertrauen zum Schöpfer bestehen. Aber weil die ersten Menschen ihrem Schöpfer nicht völlig vertrauten, begingen sie einen verhängnisvollen Fehler, den Sündenfall mit all den schmerzhaften Folgen die wir heute kennen – Leid, Krankheit, Krieg und am Ende der Tod.

 

Jesus Christus achtet die Freiheit desjenigen, der seinen Anweisungen nicht folgen will (Markus 10, 22). Er räumt ihm das Recht ein, ihn zu verlassen (Joh. 6, 66.67). Diese Auffassung ist das genaue Gegenteil der Einstellung, wonach ein Mensch für immer an die Religionsgemeinschaft gebunden ist, der er durch seine Geburt, durch die Entscheidung seiner Eltern oder seiner eigenen Entscheidung angehört.

 

Außerdem besteht ein Unterschied zwischen dem Wesen der Religionsfreiheit des Christen und dem der Freiheit der Menschenrechte. Diese werden von einer politischen Macht etabliert, um den sozialen Frieden zu wahren. Die Religionsfreiheit Jesu  ist jedoch etwas anderes. Sie ist ein Recht, das sich aus der Pflicht ergibt, nach seinem Gewissen zu handeln. „So wird nun ein jeder für sich selbst Gott Rechenschaft geben!“  (Röm. 14,12). Für jeden echten Christen ist das Wort Gottes die Richtschnur des Glaubens und Handelns. Durch dieses Wort werden wir am Ende von Gott gerichtet. Daher brauchen wir die Freiheit, unser Leben danach  zu führen.

 

Die Zukunft der Religionsfreiheit        

 

Von allen staatsbürgerlichen Freiheiten ist die Religionsfreiheit eine der notwendigsten. Nichts Schlimmeres kann dem Menschen geschehen, als dass ihm ein Glaube gewaltsam aufgezwungen wird. Nichts kann tyrannischer sein, als Menschen, die meinen im Namen Gottes Gewalt ausüben zu müssen. 

Die Inquisition, die im 13. Jhd. entstand, in Mitteleuropa wütete und geschätzten 50 Millionen Menschen das Leben kostete ist ein abschreckendes Beispiel  religiöser Intoleranz in der Geschichte, wenn auch nicht das einzige. Die menschenverachtenden Praktiken solcher Systeme haben unendliches Leid über viele Menschen gebracht.

 

Heute, in einer immer gottloser werdenden Welt, die sich vom Sakralen gelöst hat, neigt man dazu, in der Religionsfreiheit einen Luxus zu sehen, auf den man auch verzichten könnte. Man vergisst dabei, dass die Annahme oder Ablehnung einer Religion viele Folgen nach sich zieht. Es geht ja nicht nur um den Besuch einer bestimmten Kirche. Dazu gehört die ganze Lebensweise, der wöchentliche Ruhetag (Sabbat), die religiösen Feste, die Erziehung der Kinder, die Frage der Werte im täglichen Leben. Gerade diese nehmen heute rapide ab. Die Abnahme christlicher Werte stellt die Gesellschaft schon heute vor immer größer werdende Probleme.

 

Die biblische Prophetie sagt voraus, dass der Geist der Intoleranz und der Inquisition am Ende der Weltgeschichte wieder lebendig wird. Die Glaubens– und Gewissensfreiheit, die so große Opfer gekostet hat, wird nicht länger geachtet werden.  Diesmal aber in einem globalen System, einer „Weltregierung“ mit einer „Weltreligion“, die unter dem Vorwand den Weltfrieden aufrecht zu erhalten, Macht und Zwang ausüben wird: „Und es wurde ihm gegeben, dass es dem Bild des Tieres den Geist gab, dass des Tieres Bild redete und machte, dass alle, die des Tieres Bild nicht anbeteten, getötet würden!“  (Offenb. 13,15)

Mit dem Schwinden der Religionsfreiheit und der anderen Menschenrechte gehen wir genau auf dieses Szenarium zu. Wir sollten diese Gefahr rechtzeitig erkennen. Christen sollten gerade heute in der Öffentlichkeit beherzt für ihre Überzeugungen eintreten und ihren Glauben bekennen. Jesus Christus mahnt: „Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“

(Matth. 10, 32.33)

 

In einer Welt der Gegensätze, der Konflikte, der Gewalt und des Krieges wird die Freiheit häufig als eine Gefahr betrachtet. Freiheit ist aber die Voraussetzung für Liebe; deshalb ist sie der Ausgangspunkt für den Bund zwischen Gott und den Menschen und auch für das Verhältnis der Menschen untereinander.

 

 „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen!“ 

                                                                                                                                         Jesus Christus