28 Nov

Die christlichen Wurzeln Europas

 

Die christlichen Wurzeln Europas

Wer seine Vergangenheit verleugnet, hat keine Zukunft

 

Macht sich Europa kaputt? Welche Werte verteidigen wir eigentlich? Welche Konsequenzen wird der Rückzug des Christentums in Europa haben? Muss Europa zu Jesus zurückfinden, wenn es sich gegen die Islamisierung verteidigen will? Fragen über Fragen, die sich nachdenkliche Menschen in Europa gerade in der jetzigen Situation stellen.

 

                Europa befindet sich im Niedergang, ohne Zweifel. Die Schwäche der Europäischen Union wurde deutlich sichtbar in der Flüchtlingskrise, dem wirtschaftlichen Abbau und der Vernichtung von Volksvermögen durch die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank. Aber es gibt noch einen wichtigen Faktor, der nicht so offen sichtbar ist: Der Schwund des Christentums in Europa. Die demonstrative religiöse Indifferenz der EU zerstört ihre eigene Kultur. In den Verträgen und Institutionen der EU werden christliche Kirchen benachteiligt und die Islamisierung begünstigt. Kein Wunder, dass sich auch liberale und gottlose Zeitströmungen ausbreiten und forciert werden in fast allen öffentlichen Lebensbereichen: Gender Mainstreaming, Verweiblichung, Amerikanisierung und ein krasser Materialismus. Alles Christliche soll möglichst unter dem Gesichtspunkt einer falschen Toleranz aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden. In den Schulen bitte keine Weihnachtslieder mehr singen und nach dem Willen bestimmter Gruppierungen soll auch der Christbaum abgeschafft werden. Doch das alles führt nicht zu einer fortschrittlichen Aufgeklärtheit wie man meint, sondern zur Dekadenz.

 

                Autoren wie Björn Höcke stellen fest: „Unser Feind ist nicht der Islam, sondern die Dekadenz! Die Postmoderne hat ein riesiges geistliches Vakuum eröffnet. In dieses Vakuum stößt ein anderes Wertesystem hinein — das ist heute der Islam, durch die Massen von Einwanderern, die auf Grund ihrer Religion westliche Dekadenz verabscheuen.

 

                Hier ist ein Vergleich mit dem alten Rom angebracht. Das Ende des antiken Rom erinnert, zumindest teilweise, an die Gegenwart: Die Eliten traten die traditionellen Werte mit Füßen. Sie verfolgten gleichzeitig die noch junge Christenheit, deren einziges Vergehen es war, dass sie ihren Gott-Kaiser nicht anbetete und  ganz offensichtlich bei ihren orgiastischen Götzenfesten nicht mitmachte. Die römischen Eliten holten immer mehr Sklaven aus den Randprovinzen, die natürlich ihre eigenen Götter mitbrachten. Die Römer dagegen wandten sich zunehmend exotischen Glaubensvorstellungen zu. Dieselbe Haltung, die vor 2000 Jahren den Einzug indischer und orientalischer Götter in die Gesellschaft begünstigte, öffnete heute in Europa zuerst der Esoterik Tür und Tor und jetzt dem Islam. Multikulti als Vorstufe zu größerem gesellschaftlichem Wandel.

Wie die Entwicklung weiter geht, zeigt das antike Rom. Die dekadenten Oberklassen ließen immer mehr fremde Sklaven ins Land und drückten mit diesen billigen Arbeitskräften das eigene Volk ins Elend. Die Aufstände von Bauern und Plebejern wurden blutig niedergeschlagen. Auf reine Militärmacht gestützt konnte das Reich zwar noch überleben, aber nur, bis seine fremden Söldner ihren aus dem Osten hereinströmenden Stammesbrüdern die Grenzen öffneten. Im Jahre 410 wurde Rom von den Westgoten erobert und sollte seine alte Größe nie mehr wiedererlangen. Quo vadis, Europa?

 

                Millionen Migranten kamen 2015 und jetzt immer noch nach Deutschland und Europa. Sie bringen ihre Kultur und Werte mit. Das stellt uns vor Fragen: Wer sind wir? Was macht uns aus? Worauf beruhen unsere Werte? Doch das Bewusstsein für unsere christlichen Wurzeln ist immer weniger in der Gesellschaft verankert. Dabei ist ein Traditionschristentum noch eher volkstümlich als das echte Christentum, das sich an Jesus Christus orientiert. Doch sogar die Traditionen werden heute angegriffen. In der Schule soll man keine Weihnachtslieder mehr singen dürfen, Lehrer werden mit Entlassung bedroht, wenn sie Kindern den Ursprung von Weihnachten erklären. Das wäre ja alles antiislamisch! Eine falsche Auffassung von Toleranz, die die eigenen Werte verleugnet, beschleunigt aber den Untergang.

 

                Welche Erfahrungen machen christliche Flüchtlinge in Deutschland mit Religionsfreiheit, wenn sie in ihren Unterkünften wegen ihres Glaubens von Muslimen verprügelt werden, und ihre Klage nirgendwo ernst genommen wird? Und was lernen die Schläger daraus, wenn Behörden dies tolerieren, möglichst nicht eingreifen und nicht einmal die Rechtsprechung darauf angemessen reagiert? Die normale Antwort wäre Abgrenzung gegen solche Kräfte und deren Ausweisung. Christliche Publizisten in Deutschland werden telefonisch von radikalen Muslimen bedroht und einige Attacken haben auch Kirchen erreicht. Irgendwann wird diese Situation eskalieren.

Ganz anders dagegen im Nahen Osten und anderen muslimischen Ländern. Derzeit kommen dort viele Muslime zum Glauben an Jesus Christus, weil sie von der Gewalttätigkeit der Islamisten in den Kriegsgebieten genug haben. Wenn sie dann liebevolle und mitleidige Christen erleben, die ihnen helfen, so fällt ihnen die Entscheidung leicht, ebenfalls Jesus Christus anzunehmen. Aber was erleben sie hier bei uns, das ihnen Jesus Christus näher bringen könnte? Der Bischof von Mossul, der von den IS-Kämpfern aus seinen Amtsräumen vertrieben wurde, warnte bereits die Christen im Westen: „Wir haben einen Feind. Aber ihr habt gleich zwei Feinde — den Islam und den radikalen Säkularismus.“     

Die Flüchtlingskrise beschleunigt die Entchristlichung Europas“, diese Ansicht vertritt der Vorstandssitzende der Internationalen Luther Stiftung, Michael Inacker. Nach seiner Meinung habe die christliche Religion in Deutschland keine Kraft mehr. Und ihre Schwäche ist die Stärke des Islam. Doch damit müssen wir uns ja nicht abfinden!

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung forderte Frau Merkel, die deutsche Bundeskanzlerin, sich stärker mit den Werten des Christentums auseinanderzusetzen: „Haben wir doch bitteschön auch die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein.“  Dafür wurde sie kritisiert, weil Kirchgang und Bibellesen ja nicht das politische Handeln ersetzen. Das ist richtig. Dennoch hat sie einen wichtigen Punkt angesprochen: Es tut not, dass sich die europäische Gesellschaft wieder auf ihre christlichen Wurzeln besinnt. Eine Neuevangelisierung Europas wäre notwendig!

 

Die christlichen Wurzeln Europas

Ohne Jesus gäbe es die westliche Zivilisation nicht. Diese Ansicht vertritt der US Religionssoziologe Roney Stark. Der Aufstieg der modernen westlichen Gesellschaft gründe in der Kirche: „Die Wurzeln liegen im Christentum, in Christus. Im Rest der Welt hat es einen solchen Aufstieg nicht gegeben.“ Jesus legte die Grundlagen dafür, dass in westlichen Gesellschaften heute Übereinkunft besteht, dass alle Menschen gleich seien. „Wir sind uns einig, dass wir unseres Bruders Hüter sein und denen in Not helfen sollten“. Jesus sei es gewesen, der Frauen und Kindern ihren eigenen Wert gegeben habe: „Lasset die Kinder zu mir kommen!“

Auch hätten seine Lehren den Grundstein dafür gelegt, dass in christlich geprägten Gesellschaften alle Schichten Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung hätten, so der Autor des Buches „The rise of  Christianity“.

 

                Wir machen hier einen kurzen Streifzug durch die Kirchengeschichte und gehen zurück zu den Anfängen. Es beginnt mit dem Missionsauftrag Jesu Christi an die Apostel vor seiner Himmelfahrt: „Geht hin und lehret alle Völker und tauft sie(…..), und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe!“  (Matth. 28, 19 + 20

 

                Innerhalb weniger Jahrzehnte verbreitete sich der Glaube an Jesus Christus und das Evangelium im gesamten Mittelmeerraum, quer durch das Römische Reich. Der Heidenapostel Paulus wirkte in Griechenland und Rom. Um 150 n. Chr. war das Christentum auch im heutigen Frankreich. Um 185 n. Chr. gab es die ersten christlichen Gemeinden in den römischen Städten an Rhein und Mosel. Schätzungsweise waren im Jahr 100. n. Chr. von den 180 Mill. Einwohnern des Römischen Reiches etwa eine Million Christen. 200 Jahre später, zur Zeit der Verfolgung durch Kaiser Diokletian gab es bereits über 7 Millionen Christen. Und zur Zeit des Kaisers Konstantin (306-337 n.Chr.) als das Christentum zur Staatskirche erhoben wurde, war bereits jeder zehnte Bürger im römischen Reich Christ. 

 

                Was machte die Strahlkraft und die Dynamik des frühen Christentums aus? Was war am Glauben der ersten Christen so attraktiv? Zunächst einmal verkündigten die Christen einen Gott, der so ganz anders war als die altbekannten Götter. Einen Gott der Liebe und Barmherzigkeit, der sich durch Jesus Christus der Menschen angenommen hatte. Der Glaube an diesen einen Gott griff tief in das tägliche Leben der Christen ein. In den Christengemeinden herrschten Liebe und Gemeinschaftsgefühl (siehe Apg. 2). Sie bildeten eine Zufluchtsstätte vor den Intrigen und Härten ihrer Umwelt. Die Christen fielen auf, weil sie einen anderen Lebensstil pflegten: Sie beteiligten sich nicht an Trinkgelagen, von denen die heidnischen Feste begleitet waren, taten fleißig und gewissenhaft ihre Arbeit, waren ehrlich, zahlten bereitwillig ihre Steuern, unterstützten Witwen und Waisen und Kranke, besuchten Gefangene im Kerker und ließen ärmeren Gemeinden finanzielle Hilfe zukommen. Auch wenn den ersten Christen viel Widerstand entgegengebracht wurde, so spürten viele Menschen doch tief im Innern, dass dieser Gott genau das war, was sie brauchten und wonach sie sich gesehnt hatten. Woran liegt das? Der Glaube an Jesus Christus ist eben mehr als eine Religion oder Philosophie. Jesus Christus, der Sohn Gottes ist Mensch geworden — für dich und mich! Und das verändert alles.

 

                Was viele Menschen auch dazu bewegte Christ zu werden, war die Standhaftigkeit der Christen in der Verfolgung durch die römischen Kaiser. Viele gingen singend in den Tod und starben lieber als ihrem Herrn zu verleugnen. Sie hatten ja den festen Glauben an die Auferstehung von den Toten. Je mehr Christen für ihren Glauben starben, desto mehr wurden sie. „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche!“, stellte der Kirchenvater Tertullian fest. Zu dieser Zeit war das Christentum noch nicht korrumpiert durch kirchliches Machtstreben und Politik, sondern eine verfolgte Minderheit. Doch das sollte sich ändern. Unter Kaiser Konstantin hörten die Verfolgungen auf und schließlich wurde das Christentum zur Staatskirche erhoben.

Die Kirche gelangte zwar zu Ansehen und Macht, musste aber dafür Teile des Evangeliums preisgeben. Es kam zu einer Vermischung mit dem Heidentum und zu einer Metamorphose der biblischen Lehre.   Die Kirche verlor ihren reinen geistlichen Charakter und damit auch die Kraft Gottes, die sie bis dahin begleitet hatte. Und noch mehr: Im Laufe von nur wenigen Jahrhunderten begann die jetzt mächtige, reiche und privilegierte Staatskirche ihrerseits alle anderen zu verfolgen. Die Papstkirche des Mittelalters als politisch-religiöse Zentralgewalt verfolgte jetzt alle, die ihren Glauben nicht nach dem Diktat der Kirche, sondern nach der Bibel leben wollten: Waldenser, Hugenotten, Hussiten, frühe Protestanten. Auch diese hässlichen Erscheinungen, die dem Christentum angelastet werden wie Inquisition, Kreuzzüge und Hexenverbrennungen gehen auf die mächtige Kirche des Mittelalters zurück. Mit Jesus Christus hat das nichts zu tun, sondern nur mit kirchlichem Machtmissbrauch. 

 

                Nach mehr als einem Jahrtausend geistlicher Finsternis durch die alles beherrschende Kirche, die Bibeln verbrannte und Menschen zu ihrem Vorteil ausbeutete (Ablasshandel, Bettelmönchstum) kam es zur Reformation. Dr. Martin Luther als Leitfigur der Reformation des 16.Jahrhunderts traf den Nerv seiner Zeit, als er die 95 Thesen an die Kirchentür zu Wittenberg anschlug. Er hatte die wichtigen biblischen Grundwahrheiten wieder entdeckt und damit eine Revolution ausgelöst. Viele Menschen erkannten sofort den weit höheren Wert der neuen Thesen, die aber in Wirklichkeit das ursprüngliche Evangelium wiedergegeben haben: Es ist Christus, der Menschen gerecht macht und ihnen Hoffnung auf ein ewiges Leben gibt, nicht die Kirche oder der Priester. Die unverfälschten Zehn Gebote Gottes sind eine Kraft, die eine Gesellschaft im Innersten zusammenhält. Der Glaube an Jesus Christus und das Halten der Gebote Gottes bringt die christlichen Eigenschaften hervor: Glaube, Hoffnung und Liebe, Nächstenliebe und Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Recht. Das sind Grundwerte, auf die wir nicht verzichten können, wenn eine menschliche Gesellschaft zusammenhalten soll. Die verschiedenen Hilfsorganisationen, Bildungseinrichtungen und Krankenhäuser, die im Laufe der Zeit ins Leben gerufen wurden, sind auf der Grundlage dieser Werte gegründet. Auch das Recht auf Religionsfreiheit geht auf die Reformation zurück. Diese Glaubens– und Gewissensfreiheit ist ein gesetzlich geregelter Schutz gegen Verfolgung von Minderheiten, wie es heute bei uns der Fall ist. Aber wie lange noch?

 

                Eine entchristlichte Gesellschaft dagegen wird keineswegs „aufgeklärter“ und besser, wie viele meinen, sondern weniger lebensfreundlich, kälter, egoistischer und politisch instabiler. Sie wird auch immer intoleranter. Schließlich wird sie ins Chaos abgleiten, jeder gegen jeden. Verworrene Zeiten stehen uns bevor. Die gesellschaftlichen Unruhen verheißen nichts Gutes.

 

                Das echte Christentum aber wird trotz zunehmender Gegnerschaft auf dieser Welt niemals untergehen. Denn Christus, der Herr wacht über die Seinen und wird am Ende alle seine Feinde besiegen. Alle Menschen, die ihm standhaft die Treue gehalten haben, werden in Ewigkeit mit ihm leben.

 

„Es sind die Reiche  der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit !“ Offenb. 11,15.