02 Nov

Erzieht uns endlich!

 

 

Erzieht uns endlich!

Wenn das Wertegefüge durcheinander gerät

 

 

Handwerksbetriebe und Geschäfte suchen händeringend nach passenden Lehrlingen, um die Fortführung ihrer Betriebe zu sichern. Doch viele Jugendliche erweisen sich als einfach mangelhaft arbeitsfähig. Sie verstehen einfache Anweisungen nicht, können oft nicht sinnerfassend lesen und sind wenig bis gar nicht leistungswillig. Sie verweigern einfache Aufträge und man hat es im Alltag nicht leicht mit ihnen. Die kindlichen Fehlentwicklungen schlagen im Verhalten der Jugendlichen als Auszubildende voll durch. Betriebe klagen am meisten über die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger und geben in der Regel dem Schulsystem die Schuld. Angeblich liegt diese Quote zur Zeit bei 25 bis30 Prozent, Tendenz steigend. Dieser Prozentsatz wird erwartungsgemäß später unsere Sozialsysteme belasten.

Wer sich die Entwicklung der jüngsten Generation der letzten Jahre genauer ansieht,  muss feststellen, dass wir es mit einer massiven Verschiebung aller Maßstäbe zu tun haben, die wir an die Entwicklung von Menschen anlegen. Das Fatale ist, dass wir es heute mit einer steten Abwärtsbewegung zu tun haben. Und das hat schließlich gesellschaftliche Folgen, wenn diese Kinder ins Erwerbsleben eintreten.

Doch die Erziehungsmisere beginnt nicht erst in der Schule, sondern bereits viel früher– im Elternhaus. Wie gesagt, die Materie ist komplex. Wir wollen einige Ursachen der heutigen Erziehungsprobleme unter die Lupe nehmen.

 

Dem frühkindlichen Egozentrismus entgegenwirken

Die Engländer nennen dieses Alter „The terrible Twos“, die schrecklichen Zweijährigen. Die Trotzphase verläuft zwischen zwei und fünf Jahren.  Das Trotzalter ist an sich ein normales Entwicklungsstadium in unserer Kultur. Es handelt sich um eine Form der Ich-Behauptung und in dieser Phase wird das „Nein“ zum Lieblingswort. Ein Kind muss durch diese Widerspruchsperiode hindurch. Die Eltern erleben in dieser Zeit bei den „lieben Kleinen“ Zornesausbrüche, Weinkrämpfe, Trotzreaktionen. Was Eltern jetzt vermeiden sollten ist argumentieren, das Kind beruhigen, Nachgeben um des lieben Friedens willen. Das Kind setzt sich durch, es hat seinen Willen bekommen. Doch der erkaufte Frieden ist nur kurzfristig, bei nächster Gelegenheit spielt sich dasselbe wieder ab. Man darf hier Liebe nicht mit Nachgiebigkeit verwechseln!

Das Kind muss in dieser Phase lernen Ablehnung auszuhalten und zu verkraften, dass Wünsche durchkreuzt werden. Lernt es das nicht, so wird es, wenn es älter wird diese Trotz-Verhaltensweisen bewusst immer wieder einsetzen und keine Rücksicht auf die anderen nehmen! Wird ein solches Kind erwachsen, entsteht daraus eine rücksichtslose Ich-AG. Eine Gesellschaft, in der solche Menschen überwiegen, kann uns nur bange machen.

Eltern entschuldigen häufig: „Mein Kind hat einen starken Willen, es weiß eben was es will!“  Damit wird dem Kind eine eigene Persönlichkeit zugeschrieben, die es in diesem frühen Stadium gar nicht haben kann. Die Persönlichkeitsentwicklung setzt erst mit dem 8. oder 9. Lebensjahr ein.  Was Eltern mit „Persönlichkeit“ verwechseln, sind vielfach kleinkindliche Verhaltensweisen. Kleinkinder glauben, „alle haben mir zu helfen“. Sie wollen lustbetont ihren Willen ausleben und haben noch nicht gelernt, ihre Außenwelt und andere Menschen als Begrenzung ihres eigenen Ichs anzusehen. Jede Beschränkung von außen wird bekämpft. Das Problem besteht darin, wenn Eltern und Erzieher das Gefühl dafür verloren haben, Kindern Grenzen zu setzen. Damit blockieren sie eine altersgerechte Weiterentwicklung.

Hier ist ein grundsätzliches Wort über die Natur des Menschen angebracht: Die Bibel sagt dazu: „Das Denken und  Tun des Menschen ist böse von seiner Jugend auf!“ (1. Mose 8, 21) Mit „böse“ meint das Wort Gottes so viel wie selbstsüchtig, eigenwillig, rücksichtslos. Ein solches Wesen  sollte man lieber nicht über sich selbst und über andere bestimmen lassen. Es braucht Führung und Korrektur. Der Wille soll zwar nicht gebrochen, aber er muss in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Nur durch eine Ich-Beschränkung kann das Kind auch Werte erlernen, die im Zusammenleben mit anderen wichtig sind.

Der größte Erziehungsfehler ist hier Verwöhnung. Wer verwöhnt, der erzieht Egoisten, Rebellen und Trotzköpfe. Verwöhnte Kinder sind im Leben unglücklich. Daher dürfen sie auch nicht lernen, wie  man die Eltern zum Nachgeben zwingt.  Ein „Nein“ muss auch immer ein Nein bleiben!

Die frühe Kindheit ist die wichtigste Zeitperiode. Die Grundlagen des Charakters werden in dieser Zeit geformt. In dieser Periode muss das Kind bereits erfahren, dass sein Wille nicht Gesetz ist und dass Trotzanfälle nicht zum Ziel führen! Eine feste, entschiedene und liebevolle Haltung und auch ein wenig Geduld in der Behandlung wird die besten Ergebnisse erzielen.

Bring einem Kind am Anfang seines Lebens gute Gewohnheiten bei, es wird sie auch im Alter nicht vergessen.“

Sprüche 22,6

 

Das Autoritätsgefüge Eltern–Kind

Wenn wir uns die Machtverhältnisse in vielen modernen Familien anschauen, sind wir erstaunt und können folgendes beobachten:

  • Eltern haben verlernt, klare Grenzen zu setzen
  • Eltern haben verlernt, ihre Ansprüche auf vertretbare Weise mit den Kindern abzustimmen
  • Eltern haben verlernt, sich ohne Tyrannei durchzusetzen.

Die natürliche Hierarchie; nämlich dass die Eltern bestimmen, scheint auf den Kopf gestellt. Erwachsene begeben sich auf die gleiche Ebene wie die Kinder, sie wollen ihre Kumpel sein, so dass die Eltern dem Kind nicht mehr die Richtung vorgeben und das mit fatalen Folgen. Kinder kämpfen um ihre Ansprüche mit allen Mitteln. Die Kleinen tyrannisieren die Großen und die Erwachsenen stehen Kindern ohnmächtig gegenüber. Diese setzen ihre Machtmittel hemmungslos ein, um die Leitung der Eltern auszuhebeln.

                Viele Eltern, besonders Mütter, haben Angst vor dem Liebesentzug des Kindes, befriedigen lieber alle seine Wünsche, auch die unvernünftigen, als „nein“ zu sagen. Sie wollen nicht autoritär erscheinen. Wer jedoch verantwortlich erziehen will, benötigt Autorität. Autorität ist die Grundlage familiären Zusammenlebens. Eltern und Erzieher mit Autorität garantieren weitgehend gesunde Familien. Wirkliche Autorität ist jedoch etwas anderes als Dressur, Druck und Beherrschen wollen. Das Eigenschaftswort von Autorität heißt übrigens nicht autoritär, sondern autoritativ. Der autoritäre Erziehungsstil von  früher ist überholt. Aber:

  • Kinder brauchen Eltern und keine Kumpel
  • Kinder brauchen eine Erziehung, die ihnen sagt, was richtig und was falsch ist
  • Eltern bestimmen wo es lang geht

               

So lernt ein Kind Selbstbeherrschung und auch Fremdbestimmung zu ertragen, was es ja das ganze Leben lang benötigt. 

Gott lobte den Glaubensvater Abraham dafür, dass er in seinem Hause eine weise Autorität walten ließ: „Ich weiß, dass er seine Nachkommen dazu anhält, meinen Geboten zu folgen; er soll sie lehren zu tun, was recht ist, so dass ich meine Zusage an ihm einlösen kann.“  (1. Mose 18,19)

Echte Autorität beinhaltet auch Glaubwürdigkeit. Die Eltern müssen das, was sie vom Kind verlangen, auch selbst tun. Auf Eltern und Erzieher muss Verlass ein. Sie sollen die Kinder nicht belügen, denn das ist jedes mal ein Vertrauensbruch. Die Kinder werden verunsichert und misstrauisch, wenn sie dem Erwachsenen nicht mehr vertrauen können.

Erziehungsfehler erwachsen also aus einem verzerrten oder fehlenden Autoritätsverständnis. Eltern verlieren an Autorität, wenn sich Väter und Mütter in den Rücken fallen, auch wenn die Ehen der Eltern zerbrechen und sich die Kinder mit ihren Zielen und Werten nicht mehr identifizieren können. Man denke an die vielen Scheidungswaisen. Schwer haben es auch Alleinerzieher, weil es ihnen an Unterstützung fehlt. Zu einer Verschiebung der Autoritätsverhältnisse kommt es auch, wenn die geschiedene Mutter das älteste Kind als Miterzieher für die jüngeren Geschwister „verwendet“ oder wenn Kinder in Rollen hineingezwängt werden, die für sie nicht geeignet sind.

Kinder sind eben keine kleinen Erwachsenen, sondern müssen sich erst entwickeln.

Das Wort Gottes, die Bibel, weist auf die von Gott gewollte familiäre Ordnung hin:

„Ihr Kinder gehorcht euren Eltern und bezeugt dadurch eure Unterordnung unter Gott. So ist es recht und billig….Ihr Eltern behandelt eure Kinder nicht so, dass sie widerspenstig werden!  Erzieht sie mit Wort und Tat nach den Maßstäben, die Gott der Herr gesetzt hat.“

Epheserbrief Kap. 6, 1-4

Wer sich in der Erziehung der Kinder an Gottes Wort hält, der wird zwar gegen Widerstände kämpfen müssen, die segensreichen Ergebnisse werden ihn aber für alles entschädigen. Autorität  ist ein wichtiger Faktor, denn durch Autorität gelingt es, Werte an die Kinder weiterzugeben.

 

Erziehung soll Werte vermitteln

Auf der Titelseite eines Magazins „Der Spiegel“  prangte ein Familienbild mit dem Titel: „Die neuen Werte: Ordnung, Höflichkeit, Disziplin“.  „Was ist daran neu?“ würde die ältere Generation fragen, das war früher selbstverständlich. Tatsache ist, dass die Gesellschaft immer mehr den Verlust der Werte beklagt.

Viele Menschen sind orientierungslos, hungern nach Leitbildern,  suchen Antwort auf existentielle Fragen. Die meisten erkennen nicht, dass der Verlust der Werte in dem Verlust der Beziehung zu Gott seine Wurzeln hat. Die höchste Beziehungsebene, nämlich die Beziehung zum lebendigen Gott ist die Grundlage für eine gesunde Beziehung zum Mitmenschen. Jesus sagte: „Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst.“ 

In allen Beziehungen des Lebens, von der Wiege bis zur Bahre, geht es um Werte, um ethische Maßstäbe, um Recht und Unrecht, um Gebote und Verbote. Also müssen sie bereits in der Kindererziehung vermittelt werden. Gott hat seine „Werte“ in den Zehn Geboten der Bibel zusammengefasst. Eines davon, das fünfte Gebot, lautet: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, damit du lange lebst in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott geben wird.“ 2. Mose 20,12. Wer seine Eltern ehrt, das heißt respektiert, hat das Wichtigste gelernt, was später für die eigene Elternschaft notwendig ist.

Aber die Eltern müssen sich auch so verhalten, dass sie das Kind respektieren kann. Vorbildwirkung ist gefragt. Wenn sich Vater und Mutter selbst unbeherrscht, inkonsequent oder völlig gleichgültig verhalten, wird es nicht funktionieren. Das Vorbild redet lauter als alle Worte!! Respekt kann man nicht einfordern, man muss ihn sich verdienen durch gut überlegtes und konsequentes Handeln und damit, dass eine gute Vertrauensbasis zum Kind aufgebaut wird. Eltern können nur das weitergeben, was sie selbst gelernt haben. Daher gilt für Eltern und Erzieher die biblische Regel: „Erzieht sie in Wort und Tat nach den Maßstäben, die Gott der Herr gesetzt hat.“ (Eph. 6, 4)Eine gute Erziehung richtet sich nach bewährten Grundsätzen, nicht nach Lust und Laune.

Damit sind wir bei der christlichen Familie  angelangt. Die Bibel berichtet, dass der Ungehorsam der Kinder gegen ihre Eltern ein Zeichen der letzten Tage ist. Gott möchte nicht, dass Kinder frech, unhöflich, eigensinnig, rücksichtslos und undankbar sind und das Vergnügen mehr lieben als ihre Pflichten. Erkennen die Eltern ihre Verantwortung? 

Wo man sich nach Gottes Regeln zu leben bemüht, da ist der Segen Gottes und das zeigt sich in einer Steigerung der Lebensqualität, auch in den familiären Beziehungen. Gottes Wunsch ist es, dass christliche Familien der Welt Kinder bringen die diszipliniert, charakterlich gut entwickelt sind und moralische Stärke besitzen. Sie sind zu nützlicher Arbeit und zur Nächstenliebe erzogen worden.

Als Menschen und Eltern mögen wir uns damit überfordert fühlen, aber wer Jesus Christus in sein Heim einlädt, wird erleben, wie eine unsichtbare ordnende Hand am Werk ist und hilft, Ordnung und Frieden ins Heim zu bringen.