23 Apr

Geht nicht unter

Geh nicht unter!

Wie wir Schwierigkeiten im Alltag meistern

Die Auseinandersetzung mit den Widrigkeiten des Lebens ist vergleichbar mit einer Expedition auf einem reißenden Fluss. Dort gibt es Stromschnellen, langsames Wasser und Untiefen. Die Bootsfahrer müssen ständig mit Veränderungen rechnen und blitzschnell darauf reagieren. Sie dürfen nicht den Mut verlieren und die Hoffnung, dass sie die Gefahren meistern werden. Dies gelingt ihnen umso besser, je mehr Wissen sie über den Fluss besitzen und je mehr Erfahrung sie in der Vergangenheit sammeln konnten.

Können wir lernen, Herausforderungen und Krisen des Lebens besser zu bewältigen? Ja, Resilienz, also seelisch/geistige Widerstandskraft  können wir  entwickeln.

In den letzten Jahrzehnten haben sich Forscher zunehmend für jene Menschen interessiert, die an seelischen Belastungen nicht zerbrechen, sondern trotz widriger Umstände gedeihen. Die psychische und mentale Widerstandskraft um Herausforderungen, Druck und Veränderungen bewältigen zu können nennt man „Resilienz.“ Wer Resilienz besitzt, kann mit Problemen umgehen. Resilienz ist somit die Kraft, die wir immer dann brauchen, wenn schwierige Zeiten anstehen. Der Begriff “Resilienz“ kommt übrigens aus der Werkstoffphysik. Hier gelten Materialien als resilient, die nach extremer Spannung in den Ursprungszustand zurückkehren, wie  etwa Gummi. Beim Menschen funktioniert das Prinzip ähnlich. Resiliente  Menschen besitzen eine seelisch hohe Widerstandskraft und Beweglichkeit und können daher Krisen stand halten.

Ergebnisse der Forschung

Der Begriff Resilienz wird häufig mit dem Namen der US-amerikanischen Forscherin Emmy Werner verbunden. Werner legte 1971 eine Studie über die Kinder der Hawai–Insel Kauai vor. Im Rahmen dieser Studie wurden etwa 700 Kinder aus schwierigen Verhältnissen von ihrer Geburt an über 40 Jahre beobachtet und getestet. Armut, Krankheit, Alkoholismus der Eltern und Vernachlässigung prägten ihre Kindheit. Diesen Risikokindern galt Werners Interesse. Haben sie jemals eine Chance auf ein normales Leben?

Für 2/3 der belasteten Teilnehmer musste diese Frage zunächst negativ beantwortet werden. Im Alter von 18-20 litten sie unter Lern– und Verhaltensstörungen, an psychischen Problemen oder waren mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Aber 1/3 der Risikokinder entwickelte sich erstaunlich positiv. Diese Kinder waren erfolgreich in der Schule, gründeten eine Familie und waren ins soziale Leben eingebunden. Im Alter von 40 war keiner aus dieser Gruppe arbeitslos, niemand kriminell und niemand auf soziale Stütze angewiesen.

Was heißt das? Menschen sind keine Marionetten ihres Schicksals. Viele entwickeln sich auch positiv– trotz oder gerade wegen widriger Umstände. Die resilienten Kinder verfügten, wie Emmy Werner feststellte, über Schutzfaktoren, die die negativen Auswirkungen milderten. Sie haben Halt gefunden in einer stabilen Beziehung zu Vertrauenspersonen außerhalb der gestörten Familie— Großeltern, Nachbarn, Lieblingslehrer, der Pfarrer oder Schulfreunde, die solchen Kindern als Zufluchtsort dienten. Sie gaben ihnen die Bestätigung etwas wert zu sein. Diese Menschen fungierten als soziale Modelle, die dem Kind zeigten, wie es Probleme konstruktiv lösen kann.

Darüber hinaus verfügten diese Kinder meist über ein ruhiges Temperament und besaßen die Fähigkeit, offen auf andere zuzugehen und damit auch Unterstützung zu gewinnen. Oft mussten sie Verantwortung für andere, zum Beispiel kleinere Geschwister, übernehmen. Es sind also mehrere Faktoren, die einen Menschen vor Traumatisierung schützen. Für die Psychologin Werner ist Resilienz daher kein Zufall.

Wenn wir im Internet das Wort „Resilienz“ suchen, entdecken wir viele entsprechende Trainingsprogramme. Wer in einer immer unsicherer werdenden Welt lebt, hat das Bedürfnis, sich schützen zu müssen und das macht die Attraktivität dieser Angebote aus.

Der Inhalt eines solchen Resilienztrainings könnte so aussehen:

Die sieben Säulen der Resilienz / “Du wirst, was du den ganzen Tag denkst“ / die eigenen Denk– und Verhaltensmuster im Umgang mit Druck / Krisen/Stress zu analysieren / persönliche Kraftquellen erkennen und aktivieren! / die konstruktive Steuerung der eigenen Gefühle / mit Herausforderungen umgehen / Hürden und Niederlagen besser überwinden / eine lösungsorientierte Haltung einüben…“  usw.  Das klingt alles sehr gut.

Ein Zitat von Max Frisch besagt: „Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen“.

Die sieben Säulen der Resilienz

Damit sind Fähigkeiten und Grundhaltungen gemeint, die einen Menschen psychisch widerstandsfähiger machen und helfen, mit den unvermeidlichen Widrigkeiten des Lebens umzugehen.

Akzeptanz

Wer mit Schwierigkeiten, unerwünschten Veränderungen, Krisen oder gar Schicksalsschlägen konfrontiert ist, wünscht sich zunächst, es möge anders sein. Plötzlich ist nichts mehr so, wie es war. Gefühle von Trauer Wut oder auch Angst sind in diesem Stadium ganz normal. Diese Gefühle wollen akzeptiert werden. Aber nur wer die Krise erkennt und akzeptiert, kann sie auch angehen. Es braucht Zeit sich mit einer veränderten Situation sich erst einmal auseinanderzusetzen. Also: Annehmen, was sich nicht ändern lässt und das Beste daraus machen!

Es gibt hier ein hilfreiches Gebet und das lautet: „Herr, hilf mir, das zu verändern, was ich ändern kann, hilf mir das anzunehmen, was ich nicht ändern kann und hilf mir das eine vom andern zu unterscheiden!“

Optimismus

Optimisten haben mehr Freude und weniger Selbstzweifel, werden besser und schneller mit Strapazen fertig, tun mehr für ihre Gesundheit. Optimismus lindert Ängste, stärkt den Mut und schützt vor Zweifeln. Dazu gehört auch die Zuversicht, dass aus einer Krise in der Zukunft noch etwas Gutes entstehen kann.

Kann man diesen Optimismus lernen? Ja. Optimismus ist eine Frage von Denkgewohnheiten. Beispiel: Ist das Glas Wasser halbvoll oder halbleer? Wenn Sie erkennen: „Meine Denkmuster sind zu negativ“, dann üben Sie neue positivere Denkmuster ein. Menschen mit einer optimistischen Grundhaltung geben nicht gleich auf, wenn die Dinge nicht wie geplant laufen. Die Bibel sagt dazu: „Ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut in seiner Arbeit, das ist eine Gabe Gottes!“ (Prediger 3,13)

Lösungsorientierung - 

Die Lösung ist die Rückseite eines Problems!“

Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen“, riet schon Henry Ford. Die lösungsorientierte Grundhaltung richtet den Blick auf das, was funktioniert, nicht auf das, was nicht geht. Die Lösungsorientierung hängt weitgehend von der persönlichen Einstellung ab. Welche Erwartungen haben Sie?

Egal, welches Ziel Sie erreichen wollen, Sie müssen zunächst eine Vorstellung in Ihrem Kopf haben. Konzentrieren Sie sich dabei auf machbare Lösungen. Anschließend konzentrieren Sie sich auf die eigenen Handlungsmöglichkeiten. Besprechen Sie mögliche Lösungen mit Personen Ihres Vertrauens. Deren Vorschläge vergrößern die Wahlmöglichkeit und den Handlungsspielraum. Es hilft, einen eng gesteckten Denkrahmen zu erweitern. Wer über Lösungen nachdenkt und spricht, findet auch welche. Die Bibel sagt dazu: „Pflügt ein Neues!“ (Jeremia 4,3)Das bedeutet, nehmt neue Gedankengänge auf, schafft ein Umdenken!

Verlassen der Opferrolle -   Gestalter und Opfer unterscheiden sich                                                                   

· Menschen in der Opferhaltung haben oft ein geringes Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen

· Menschen in der Opferhaltung geben anderen die Schuld an ihrer Situation

· Sie finden häufig Gründe, die sie daran hindern aktiv zu werden- „Da kann man nichts machen!“

· Sie erwarten auch dass andere die Probleme für sie lösen. Opfer sind nicht handlungsorientiert.

Verantwortung für das eigene Leben übernehmen - Selbstverantwortung bedeutet Selbstbestimmtheit

Es ist viel einfacher Verantwortung abzuschieben oder zu verdrängen, als sich ihr zu stellen. Das gilt besonders dann, wenn  Schwierigkeiten und Probleme  auftreten, Gefühle wie Angst und Unsicherheit stärker werden. Keine Verantwortung zu übernehmen heißt auch die Entscheidung über das eigene Leben aus der Hand zu geben. Selbstverantwortung bildet die Basis für die eigene Freiheit.  Resiliente Menschen gehen bewusst mit ihren Ängsten um und begegnen mit Mut und innerer Stärke den jeweiligen Lebenssituationen.

Die Bibel sagt dazu „Wenn  ich  dich (Gott) anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft!“ (Psalm 138, 3)

Handlungsfaktor Netzwerkorientierung

Beziehungsfähigkeit ist eine Kernkompetenz. Für die gegenseitige Unterstützung und Weiterentwicklung müssen wir Beziehungen gestalten und Einsamkeit überwinden. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei,“ sagte Gott schon bei der Erschaffung des Menschen. (1. Mose 2,18) Verbundenheit mit anderen Menschen schenkt die Kraft und Zuversicht, auch schwere Zeiten zu überstehen. Für die Bewältigung von Krisen und Leidenssituationen ist es wichtig, Menschen zu haben, die Verständnis aufbringen, die trösten können und Beistand leisten. Solche Beziehungen muss man aufbauen und pflegen.

 

Handlungsfaktor Zukunft planen und gestalten   „Die Vergangenheit ist unveränderbar, in der Zukunft ist alles möglich!“

Alles, was wir heute tun oder lassen hat Einfluss auf unsere Zukunft. Wer sich über seine Ziele klar wird und sie verfolgt, gestaltet bewusst seine Zukunft. Es ist wie beim Autofahren: Dort wo du hinschaust, dort fährst du auch hin! Es ist ein Fehler, ohne Plan und Ziel unterwegs zu sein, Entscheidungen auszuweichen oder aufzuschieben, alles einfach auf sich zukommen zu lassen. Man kommt auf keinen grünen Zweig.

 Resiliente Menschen dagegen gestalten ihr Leben aktiv. Sie lassen sich nicht treiben, stellen sich Herausforderungen, erwägen Alternativen, sie schmieden Pläne und arbeiten an ihren Wünschen und Visionen.

Kurz: Sie nehmen ihr Schicksal so weit als möglich in ihre Hand.

Resilienzfaktor Glaube

„Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen!“ (Psalm 18,30) Das war die Erfahrung vom Psalmisten David, der über weite Strecken ein schwieriges Leben hatte, von Feinden verfolgt und oft auf der Flucht.

Wie oft hat er Gottes Hilfe in höchster Not erfahren, so dass er aus Erfahrung sagen konnte: „Werdet ruhig vor dem Herrn, erwartet gelassen sein Tun!“ (Psalm 37,7) Er lernte durch sein bewegtes und gefährliches Leben auf Gottes Eingreifen zu warten. Das hat etwas mit Vertrauen und Erfahrung zu tun, nicht mit Resignation.

Auch ein anderer Gottesmann, Paulus konnte von sich sagen: „Ich vermag alles durch den der mich stark macht, Christus!“ (Philipper 4,13) Der Glaube an Jesus Christus gab ihm festen Halt und Kraft in schwierigen Situationen.

Und schließlich der Herr Jesus Christus selbst, der alle Menschen einladet zu ihm zu kommen: „Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben. (Matthäus 11, 28)

Wenn wir in der Stille ins Gebet gehen, dann kommen wir zu einem Ruhepol! Aus getriebenen und gehetzten Menschen werden Gezogene, Getragene. Daraus erfolgt ein gutes, richtiges und Gott gewolltes Handeln.

Der Resilienzfaktor Glaube ist nicht die Säule Nr. 8 sondern für alle, die Gott persönlich in seinem Handeln an sich erfahren haben ist die die Säule Nr. 1, auf die sich alle anderen Säulen stützen.