18 Okt

Wie uns die digitale Welt gefangen hält

Warum und die digitale Welt gefangen nimmt

Das Smartphone – dein wichtigster Begleiter?

Für die meisten Erwachsenen beginnt der Digitalkonsum  am frühen Morgen, sobald das Smartphone den Weckton ausstößt. Dann stehen gleich nach dem Aufwachen alle neuen Nachrichten und Benachrichtigungen zur Verfügung. Immer gleich auf dem Laufenden bleiben, nur nicht warten! Während des Frühstücks werden die Nachrichten konsumiert. Keine Zeit für Reflexionen, das dauert zu lange! Auf dem Weg zur Arbeit: Kopfhörer rein, Musik an, Außenwelt aus. Auf den Straßenverkehr muss halt so nebenbei geachtet werden.

In der Arbeitspause dann mal hinsetzen und Zeit fürs Wischen nehmen. Werden meine Aktivitäten geliked? Werde ich gelesen? Bin ich auch beliebt? Dieser Ego-Trip schafft flüchtige Glücksgefühle.

Während des Kantinenessens geht es weiter. Lustige Videos werden dem essenden Gegenüber gezeigt. Endlich mal Ablenkung im stressigen Arbeitsalltag! 

  Wischen, Daddeln, Zappen und Chatten sind zu einer neuen Kernkompetenz in der digitalen Ablenkungsindustrie geworden. Die Realität wird verdrängt durch die Digitalität! Alle sitzen gemütlich beisammen und beschäftigen sich mit ihren Handys. Gesprochen wird nur wenig bis gar nicht. Ist das die „neue“ Gesellschaft? Doch der exzessive Digitalkonsum stielt uns wichtige, reale Lebenszeit und verstellt den Blick auf die wesentlichen Dinge des Lebens. Digital ist auch der Beschleuniger für Stress, Burnout, Krankheiten und für eine steigende Entsozialisierung.

 Die Digital-Apostel prophezeien uns einen unentwegten Fortschritt, wenn wir nur möglichst lange online sind. Aber wohin führt er? Wir sind mit diesen raschen digitalen Entwicklungen oft komplett überfordert. Wir werden durch den Digitalkonsum weder wirklich aktiver, das Arbeiten nicht produktiver und wir selbst nicht glücklicher und zufriedener, höchstens für den Augenblick.

 Ja aber so ein Handy ist doch sinnvoll? Ja natürlich, wo es um die Erreichbarkeit für die Familie, die Kinder und die besten Freunde geht, wo man Arbeitspartner ohne großen Aufwand erreichen kann. E-Mail Terminkalender und Adressbuch sind Beispiele für tatsächlich mögliche Produktivitätsvorteile. Doch gerade wegen dieser gefühlten Vorteile kommen immer mehr Menschen immer seltener zum Abschalten.

 Warum üben also Smartphone & Co. eine solche Anziehungskraft auf uns aus?

  • Da sind einmal die Glaubenssätze der Digitalapostel: Möglichst sofort und überall dabei sein ist alles. Künstliche Intelligenz ist schlauer als menschliche. Digital ist besser als analog. Smartphones und Tablets machen schlau.
  • Neugier ist eine Triebkraft. Die neuen Funktionen, die neue App, der neue Kontakt,  ein neues like im Facebook, das regt die Neugier an.
  • Die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen. Auch das Verlangen nach maximaler Selbstwirksamkeit spielt mit, das heißt, das Handeln soll sofort zur Wirkung führen. Man könnte ja etwas versäumen, wenn man nicht ständig neue Nachrichten sendet und empfängt. Auch der Druck, ständig erreichbar sein zu müssen, lässt sich hier einordnen.
  • Ersatz für die Befriedigung tieferer  Bedürfnisse wie Wertschätzung und Anerkennung, die das normale Leben für einige Menschen zu wenig bereit hält. Mit ein paar „likes“ kann man wenigstens ein flüchtiges Glücksgefühl erzeugen.
  • Die reale Welt ist mühsamer als die digitale Welt! Das Display betrachten ist spannender als die Wünsche und Fragen der Kinder, die Forderungen des Arbeitgebers und die Auseinandersetzung mit dem Partner. Daher treten viele gerne die Flucht in die Welt flüchtiger Bilder und Nachrichten an. Doch die ständige Flucht aus der Wirklichkeit, macht sie uns vielleicht untüchtig für das reale Leben?

 Überfordert - die Risiken einer ungezügelten Nutzung

  • Psyche im Eimer? Die digitale Überflutung von Geräten führt nach Beobachtung des Bonner Kinderpsychiaters Michael Winterhoff zu einer kollektiven Schädigung der Psyche. In seiner Praxis erlebe er seit Mitte der 90er Jahre, dass sich immer mehr Kinder nicht altersgerecht entwickeln. Diese Veränderung lässt sich inzwischen auch bei Erwachsenen erkennen.              
  • Schlafmangel. Die meisten Kids verbringen zu viel Zeit am Smartphone und Computer. Das geht auf Kosten des gesunden Schlafes. Kinder grübeln, können nicht einschlafen. Müdigkeit und fehlende Konzentration in der Früh sind die Folgen. Schlechte Schulnoten sind die logische Konsequenz.
  • Kopfschmerzen. Jeder vierte der 8 –14jährigen gibt an, sich durch die permanente Kommunikation über Messenger-Dienste wie Whats-App, gestresst zu fühlen. Darüber hinaus beobachten Mediziner zunehmende Überforderung, die sich oft durch Kopfschmerzen oder ADHS äußert. Augenheilkundler weisen auf eine zunehmende Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen hin, verursacht durch die bis zu siebenstündige Smartphone-Nutzung pro Tag. Wen überraschen Verhaltensauffälligkeiten und körperliche Schäden bei täglich stundenlanger digitaler Berieselung — und das über Jahre hinweg?
  • Schädigen Computerspiele das Gehirn? In einer neueren Studie der Universität Montreal entdeckten Forscher Hinweise, nach denen solche Spiele anfällig für Depressionen, Demenz und sogar für die Alzheimer Krankheit machen können. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass besonders bei Dauerspielern immer wieder ein bestimmtes Gehirnareal beansprucht werde, nämlich das sogenannte „Belohnungszentrum“. Doch für das Erinnerungsvermögen sei eigentlich der Hippocampus der wichtigste Gehirnbereich. Da der Hippocampus zu wenig gefordert wird, sei mit neurologischen Störungen zu rechnen.
  • Verminderte geistige Leistungsfähigkeit und Süchtigkeit. Hirnforscherin Dr. Dr. Teuchert-Noodt, Universität Bielefeld berichtet, dass eine Notreifung der Nervennetze im Gehirn stattfände. Diese Notreifung mindere die geistige Leistungsfähigkeit und mache zudem süchtig. Die Hirnforscherin: „Jedes Menschenkind muss sein Stirnhirn — also Raum-Zeit-bezogene Fähigkeiten, entwickeln und stärken können. Das betrifft die Entwicklung und Stärkung von Neugier, Mut, Willen, Sozialverhalten und Entscheidungskraft. Eine digitale Beschulung von Kindern verhindert automatisch die Reifung dieser notwendigen Qualitäten….. Psychische Destabilisierung in der Entwicklung, Ängste, Aggressivität und weitere Defizite werden sich verstärken, und davon können erfahrene Psychiater längst berichten. Ohne die beständige raum-zeitliche Erdung des Stirnhirns gibt auch der erwachsene Medienfreak das Steuer über sein Leben aus der Hand. Er kann nicht anders, als in eine erlernte Hilflosigkeit abzustürzen“.
  • Schlechte Gewohnheiten, sinkende Moral.  Jeder fünfte Jugendliche (21 Prozent) ist schon auf nicht jugendfreien Seiten gelandet und hat via Smartphone schon Gewaltvideos  mit entwürdigenden Darstellungen erhalten (19 Prozent). Kein Kulturgut hat unsere Kinder binnen 10 Jahren so schnell überfahren und abhängig gemacht. Was geschieht in den Köpfen 8jähriger Mädchen, die bereits gewohnheitsmäßig Pornographie anschauen?  Eine spätere Unfähigkeit zu einer glücklichen Beziehung ist bereits vorprogrammiert.
  • Soziale Demenz und sinkende Bildung.  Kinder werden heute ruhig gestellt mit digitalen „Wischbrettern“ oder Comic-Filmchen. Das ist praktisch im Restaurant und im Urlaubsauto, weil sie dann die Eltern nicht mit Fragen nerven. Doch wenn ihre Fragen niemand beantwortet, lernen sie nichts und verarmen im wirklichen Leben. Was haben wir den vor dem digitalen Zeitalter mit Kindern gemacht? Da war Kreativität gefragt: Ratespiele, Bilderbücher, Kinderlieder singen, Autos zählen – alles weg? Die realen und sozialen Alternativen werden langsam aber sicher verdrängt. Die Konzentration vor Digital war schon mal besser, in Meetings zu beobachten: Aufmerksamkeit für das Sitzungsthema? Die ist bei vielen nicht vorhanden. Wie schön, dass es nachher ein E-Mail Protokoll gibt, sonst wüsste man rein gar nichts, trotz Anwesenheit.

 Ja, das Digitale verdrängt das Soziale. Aber: Ein glückliches Leben erfolgt in sozialen Gemeinschaften, mit Freunden, in der Familie, mit eigenen oder fremden Kindern. Und dieses Zusammenleben wird bestimmt durch einen realen Austausch. Die Fähigkeiten, auf andere zuzugehen und sich in den anderen hineinzuversetzen, die würden in der hier beschriebenen digitalen Zukunft abnehmen. LG an alle? Damit wird sicher keiner glücklich. 

 10 Tipps für die digitale Entgiftung

Bestimmt das Handy deinen Alltag? Dann ist es höchste Zeit eine digitale Resilienz zu entwickeln. Resilienz heißt Widerstandsfähigkeit, mit Hilfe deren man Schwierigkeiten meistern kann. Digitale Widerstandsfähigkeit basiert auf Kontrolle. über das eigene digitale Verhalten. Muss das Smartphone 150 mal am Tag eingeschaltet werden? Es geht um die Heranbildung guter Verhaltensweisen, die die Grundlage für einen gesunden und gezielten Einsatz digitaler Hilfsmittel  sind.

 

  1. Alarmtöne ausschalten. Töne aus– das ist der erste Schritt! Man muss nicht dauernd draufschauen.
  2. Handyfreie Phasen. Sie sind bewusst über den Tag verteilt einzurichten.
  3. Smartphone bei wichtigen Tätigkeiten ausschalten. Hausaufgaben, Konferenzen, am Mittagstisch mit der Familie. Die Konzentration wird hier dringend für andere Dinge benötigt.
  4. Smartphonfreie Zonen. Nicht ins Schlafzimmer mitnehmen, denn es besteht die Gefahr zu lange aufzubleiben.
  5. Einen echten Wecker anschaffen. Man muss nicht gleich nach dem Aufwachen alles checken.
  6. Armbanduhr nutzen
  7. Komplizierten Zugangscode überlegen, um ein ständiges aufs-Handy-schauen zu vermeiden.
  8. Reduktion der sozialen Netzwerke. Zeit sparen, sinnlose Kommentare vermeiden usw. Entscheide dich für eines!
  9. Apps gegen die Sucht einrichten, Handy auf Flugmodus stellen
  10. Handyprothese für schlimme Fälle. Es gibt einen schwarzen Block ohne Funktionen. Angeblich gibt es Süchtigen das Gefühl, ihr Handy bei sich zu haben.

 

Verändert das Smartphone das  christliche Leben?

Tony Reinke, ein evangelikaler Autor befragte 8000 Christen zu ihrer Handynutzung und machte sich Gedanken, welche Auswirkungen die Handy–Nutzung hat. Wir können hier nur auf drei Punkte eingehen:

Ablenkungen. Das Handy bietet Ablenkungen aller Art und setzt damit an einer  Schwachstelle an, mit der jeder Mensch zu kämpfen hat. Es  gibt eine Reihe von Bibelstellen, die davor warnen, sich von weltlichen Dingen ablenken zu lassen, weil dieses Verhalten von Gott wegführt: (1. Joh.2,15-17)

Verhältnis von Mensch zu Mensch.  „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ Die Eigenschaften eines wahrhaft christlichen Charakters, wie Barmherzigkeit, Geduld, Freundlichkeit, sind nur in direkter Gemeinschaft mit Menschen erlernbar. Im digitalen Raum haben wir keinen direkten Kontakt mehr.

Bibel lesen. Für einen Großteil junger Christen wird es  zunehmend schwierig die Bibel zu lesen und zu verstehen. Digitale Texte werden schnell und oberflächlich gelesen. Die Bibel aber muss langsam und gründlich gelesen werden, damit man sie verinnerlichen kann.

Gott hat den Menschen „zu seinem Bilde“ geschaffen, das heißt ein Wesen mit einem freien Willen, Entscheidungs– und Urteilsfähigkeit und der Fähigkeit schöpferisch tätig zu sein. Durch den übermäßigen Digitalkonsum und die Abhängigkeit davon wird dieses Bild langsam zu einer Karikatur verzerrt. Christen sollten bedenken, dass, wenn ihnen das Handy wichtiger wird als die Zeit mit Gott, dann ist es zum Götzen geworden! Das erste der zehn Gebote lautet aber:

„Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“