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Informationsveranstaltung in einem kleineren Ort in Niederösterreich. Es geht um Containerdörfer für Flüchtlinge. Die Atmosphäre im Saal ist aufgeheizt. Die Meldungen aus dem Publikum drücken Besorgnis, Angst, Unsicherheit und Zorn aus. Viele fragen: Was für Flüchtlinge kommen? Was ist mit Flüchtlingen, die ohne Papiere kommen? Wo ist die Obergrenze der aufzunehmenden Asylwerber? Wer bezahlt das? Was passiert, wenn sie einbrechen oder stehlen, denn Flüchtlinge bezahlen ja keinen Schadenersatz. Wo nehmen wir die vielen Wohnungen her? Wie lange bleibt ein Asylwerber?

 

Die Verantwortlichen versuchen die Bürger zu beruhigen, indem sie versichern dass ständig eine Betreuungsperson im Containerdorf anwesend sein wird, dass die Polizei vermehrt patrouilliert, dass es klare Regeln und Richtlinien gibt, an die sich Asylwerber halten müssen. Integration muss von dem passieren, der kommt. Trotzdem sind die Leute sehr beunruhigt. Wer garantiert Sicherheit für unsere Kinder? Können sich Frauen nach dem Anbruch der Dunkelheit noch aus dem Haus wagen? Warum ist Geld da für Asylanten, aber nicht für unsere Obdachlosen?

 

Ganz vereinzelt kam auch einmal die Frage: Wie kann man sinnvoll helfen und unterstützen? 

An der Flüchtlingsfrage scheiden sich eben die Geister: Die Einen, die den Neuankömmlingen sehr ablehnend gegenüberstehen. Sie befürchten, dass ganze Horden von jungen Männern mit Gewaltpotential uns überlaufen und einen Krieg vor unserer Haustüre entfachen. Diese Befürchtung ist nicht ganz zu Unrecht; Terror, heiliger Krieg und islamische Expansion würden Frieden und Sicherheit hier beenden und das will niemand. Krisen, die gestern weit weg waren, rücken  heran und entfalten ihre Auswirkungen in unserer Nähe.

 

Aber da gibt es noch die andere Seite. Viele flüchten, weil ihre Stadt, ihr Dorf zerstört, Angehörige getötet und das eigene Leben bedroht wurde. Sie können seit Jahren kein normales Leben mehr führen. Sie flüchteten zuerst in die Nachbarländer. Aber der Krieg dauert schon vier Jahre und damit schwindet die Hoffnung auf Rückkehr oder irgendwelche Lebensperspektiven. Sie sehnen sich nur nach Sicherheit, nach Normalität und dass die Kinder wieder eine Schule besuchen können! Viele sind schwer traumatisiert, sie wurden beschossen, überfallen, mussten um ihr Leben laufen, fuhren in Todesangst im überfüllten Boot über das Mittelmeer. Was sie brauchen ist Ruhe und freundliches Entgegenkommen und vor allem Menschen, die ihnen zuhören.

 

Ja, die Flüchtlingsfrage polarisiert. Am Anfang gab es sehr viele Helfer und Ehrenamtliche, doch je länger der Flüchtlingsstrom andauert, desto mehr kippt die Stimmung. Wie auch immer, als Christen folgen wir dem Beispiel Jesu Christi und er stellte die goldene Regel auf: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ (Matthäus 7, 12.)