Aktuell

Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das weiß heute jedes Kind. Aber wie vielen Leuten im säkularen Westen mag das Recht auf Religionsfreiheit in den Sinn kommen?

Kaum jemand denkt daran, dass dieses Recht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit in der Vergangenheit teuer erkauft wurde. Viele haben dafür gelitten und einen hohen Preis bezahlt.

 

Religionsfreiheit ist hauptsächlich eine protestantische Errungenschaft. Einer ihrer Vorkämpfer war Roger Williams aus dem Kreis der Puritaner. Die Puritaner mussten wegen Verfolgung ihre alte Heimat England verlassen um über dem Ozean eine neue Heimat zu suchen. Im Jahre 1620 verließ die „Mayflower“ mit den Pilgervätern die Küste Europas. Es war das Verlangen nach Gewissensfreiheit, das die Pilger bewegte, unbekannten Gefahren zu begegnen und ein Land zu suchen, indem sie frei ihren Glauben ausleben konnten, ohne von Staatskirche und König bedrängt zu werden.

 

Aber den großen Grundsatz religiöser Freiheit begriffen auch die Puritaner noch nicht, denn ihr Ziel war die Schaffung eines autoritären Staates unter religiöser Herrschaft. Daraus hätte sich wieder eine geistliche Diktatur entwickelt.

 

Einige Jahre nach der Gründung der ersten Kolonie an der Westküste Amerikas kam Roger Williams in diese Neue Welt. Williams suchte ernsthaft nach Wahrheit, aber er war auch freiheitsliebend. Er erklärte, dass staatliche und religiöse Macht voneinander getrennt sein müssen. Der Staat dürfe keine Macht über das Gewissen ausüben und staatliche Obrigkeit habe sich nur um Angelegenheiten des Staates zu kümmern. Niemand dürfe wegen seiner Religion oder Anschauung verfolgt werden. Niemand sollte zur Anbetung oder zum Besuch eines Gottesdienstes gegen seine Zustimmung gezwungen werden, denn das hieße Heuchelei verlangen! Die Erlangung eines Regierungsamtes dürfe nicht an die Kirchenmitgliedschaft gebunden sein.

 

Damit stieß er die Puritaner Neuenglands vor den Kopf und musste aus der Kolonie flüchten, mitten im Winter: „Vierzehn Wochen lang“, so schrieb er, „musste ich mich in der bitteren Jahreszeit herumschlagen, und ich wusste nicht, was Brot oder Bett heißt!“ Als er - bereits schwer krank - aufgeben wollte, fand ihn ein befreundeter Indianer in der Wildnis und pflegte ihn in seinem Wigwam gesund.

 

Schließlich gründete er den Staat Rhode Island mit der Stadt „Providence“. Providence (Vorsehung) war sein Dank an Gott, der ihn aus der Verzweiflung gerettet hatte. Dieser neue Staat gewährte jedem die volle Freiheit nach seinen Vorstellungen zu glauben. Alle, die aus Gewissensgründen verfolgt wurden, strömten nach Rhode Island. Roger Williams kleine Republik wurde in der Welt bewundert wegen ihrem Grundsatz, „dass jedermann das Recht haben sollte, Gott nach seinem eigenen Gewissen zu verehren:“ Diese Grundsätze, nämlich die bürgerliche und die religiöse Freiheit wurden auch zu Ecksteinen der jungen Republik der „Vereinigten Staaten von Amerika“. 

 

Die Religion wurde dadurch zu einer Frage, die nur den Menschen und seinen Schöpfer etwas angeht. Und dass daher Menschen keine Autorität über das Gewissen anderer ausüben können. Mit diesem Grundsatz wurden Zwang und Unglück beseitigt, die das Leben unzähliger Menschen zerstört haben. Deshalb wollen wir an den Grundsatz der Religionsfreiheit erinnern, ihn hochhalten und wenn notwendig, dafür eintreten.

 

Ihr  „Blickpunkt-Team“