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500 Jahre Reformation — es gibt viele Gründe um daran zu erinnern. Denn die Reformation im 16. Jahrhundert ist ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. Damals hatte sie weit reichende religiöse, kulturelle, politische und gesellschaftliche Auswirkungen, nicht nur in ihren Ursprungsregionen in Mitteldeutschland und der Schweiz, sondern sehr bald auch über die Grenzen Europas hinaus.

 

Die zentrale Gestalt der Reformation damals, Dr. Martin Luther, will nicht gefeiert werden, wie er im Jahr 1522 niedergeschrieben hat: „Ich bitte, man wollte meines Namens verschweigen und sich nicht lutherisch, sondern Christen heißen. Was ist Luther? Ist doch die Lehre nicht mein. So bin ich auch für niemand gekreuzigt. Wie käme ich armer Mensch dazu, dass man Kinder Christi sollte mit meinem heillosen Namen nennen? Nicht also, liebe Freunde, lasst uns tilgen die parteiischen Namen und Christen heißen, dessen Lehre wir haben.“ Mit diesen Worten hat Luther selbst eine Regieanweisung erteilt. Nicht die Person ist zu feiern!

 

Die SACHE aber, um die es Luther gegangen ist, ist heute vielen Zeitgenossen kaum noch verständlich, denn der religiöse  Horizont von 1517 zu 2017  hat sich völlig verschoben. Nicht die Gottesexistenz stand  damals in Frage, sondern das Gottesverständnis! Der Mensch des späten Mittelalters war nämlich tief religiös. Heute sind für die säkulare Öffentlichkeit die Anliegen der Reformation wahrscheinlich nicht mehr als ein  Gezänk von Theologen, das in der Vergangenheit zur Kirchenspaltung geführt hat.

 

Die großen Kirchen suchen seit längerem ökumenische Einigkeit. Nach Papst Franziskus sollen Katholiken und Lutheraner „gemeinsam an 500 Jahre Reformation“ gedenken. Die Kirchenspaltung als gemeinsam zu feierndes Ereignis? Damit werden in beiden Lagern viele nicht glücklich sein. Es besteht heute die große Gefahr, dass die zentralen geistlichen Anliegen der Reformation verändert oder gar aufgegeben werden. Eine Reformations-Historikerin befürchtet gar, das Jubiläum könne zu einer Feier der „theologischen Harmlosigkeiten“ geraten  mit  kulturellen Events, Chronisten, Musikern und ökumenischen Festgottesdiensten, wo man nur das Gemeinsame betonen will– und natürlich alles für das Fernsehen! Denn in einer Region (Sachsen-Anhalt), wo über 70 Prozent der Menschen keiner Kirche mehr angehören, will man den christlichen Glauben ins Bewusstsein rücken. Gut gemeint! Aber ob es gelingen wird, das eigentliche Anliegen der Reformation, nämlich die geistliche „Erneuerung“ und Rückkehr zu Jesus Christus und seinem Evangelium den Menschen nahe zu bringen, ist fraglich. Für jede Reformation braucht es neben Gott geweihten Menschen auch die „himmlische Unterstützung“ des Heiligen Geistes, damit sich ein solcher Funke zum Flächenbrand ausweitet.

 

Ihr „Blickpunkt2000“  Team