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23 Mär

Die Grenzen der Meinungsfreiheit - Was darf man noch sagen?

Der „Mohr im Hemd“ und das „Negerbrot“, sie haben uns in der Vergangenheit  immer gut geschmeckt. Niemand hat sich etwas Böses oder Abwertendes dabei gedacht. Doch neuerdings darf man diese süßen Nachspeisen nicht mehr so nennen, denn sonst könnte es Proteste geben von Farbigen, die sich auf diese Weise diskriminiert sehen. Die Debatte um Political Correctness ist längst in Europa angekommen. Was darf man eigentlich noch sagen?

                Was ist Political Correctness? Die Bewegung selbst war an den nordamerikanischen Universitäten der späten Sechzigerjahre entstanden. Die Studenten wollten durch eine Änderung in der Sprache die Diskriminierung von Minderheiten und Frauen beseitigen. Später wehrten sie sich auch dagegen, dass der Lehrstoff fast ausschließlich von den Vorstellungen der angelsächsischen männlichen Mainstreamkultur geprägt war. Aus dieser Bewegung heraus bildete sich ein Sprachkodex. Abwertende Begriffe wie „Nigger“, die in sich  das Erbe der Sklavenhaltung und der rechtlichen Diskriminierung tragen, wurden zur Festung, die es niederzureißen galt. In der Studentenschaft etablierte sich dafür der - zunächst ironisch gemeinte - Begriff „Political Correctness“.

                Der Begriff wurde auch bald von Kritikern und Gegnern aufgegriffen, wenn auch mit entgegengesetzter Stoßrichtung. Sie warfen den politisch Korrekten vor, mit den Methoden der Sprachpolizei Meinungsterror zu betreiben. „Man wird doch das noch sagen dürfen“, so ihr Schlachtruf, den sie dagegen hielten. So war Political Correctness endgültig zu einem Kampfbegriff geworden.

                Diese Sprachtabus haben die Tendenz sich immer mehr auszuweiten. Immer mehr Gruppierungen beklagen ihre Opferrolle und erheben Einspruch gegen den bis dahin allgemeinen Sprachgebrauch. Kein gesellschaftlicher Bereich scheint davon ausgenommen. Auch nicht der Bereich der Religion und des Glaubens. Doch hier wird es bedenklich.

Wir wollen uns heute damit beschäftigen wie sich diese „politische Korrektheit“ zu einer neuen Art von Inquisition entwickeln könnte, wenn man ihr nicht Einhalt gebietet. Das Recht auf Meinungs– und Religionsfreiheit gehört zu den Grundrechten der Menschen und darf heute nicht durch fehlgerichtete Entwicklungen unterlaufen werden. Darum: „Wehret den Anfängen!“

 

21 Jan

Solidarität oder Nächstenliebe?

Schlagzeilen, die uns an der Mitmenschlichkeit verzweifeln lassen, sind heute alltäglich geworden. Zum Beispiel diese: Riesengeschäft für Schlepper. Die Flüchtlinge auf dem führungslosen Frachter „Ezadeem“ hatten bis zu 8.000 Dollar für ihre Überfahrt gezahlt. Laut verhaftetem Kapitän hatten die Besatzungsmitglieder stets das Gesicht verhüllt, bevor sie von der Brücke im türkischen Hafen verschwanden und das Schiff führungslos vor Italien im Meer treiben ließen. Auch Kinder und Schwangere wagten die lebensgefährliche Überfahrt. An Bord von alten Frachtern seien in den letzten drei Monaten 10.000 Flüchtlinge in Süditalien eingetroffen, berichtete die Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Das ist ein Millionengeschäft. Aus jedem Flüchtling werden mehrere tausend Euro oder Dollar für den Transport auf See herausgepresst. Da lässt es sich ausrechnen, wie viel bei einem Schiff mit mehreren hundert Menschen zusammenkommt. Für die Schmuggler lohnt sich die Rechnung, wenn ein ohnehin bereits ausgemustertes Schiff ohne Crew und Treibstoff auf dem Meer zurückgelassen wird. Im Mittelmeer sterben jährlich tausende Flüchtlinge. 2014 sind weit mehr Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken als in den Jahren davor. Experten schätzen, das Geschäft des Menschenschmuggels sei mittlerweile lukrativer als der Drogenhandel. Die EU Grenzschutzagentur Frontex spricht daher von einem „neuen Grad der Grausamkeit“ von Seiten der Menschenschmuggler.

Natürlich wurde schon immer mit der Not der Menschen Geschäfte gemacht, doch dass man Menschen zu Tausenden in den wahrscheinlichen Tod schickt, nachdem man sie vorher ordentlich abkassiert hat, das ist ein  Zynismus ohnegleichen und das genaue Gegenteil von Nächstenliebe!

Grausamkeiten erleben wir heute in den täglichen Schlagzeilen: wie die Terroristen ihre Geiseln hinrichten, die Gräueltaten von ISIS, Boko Haram oder Taliban, die Terroranschläge in Paris oder wenn in den USA ein weißer Polizist einen unbewaffneten Farbigen erschießt und dafür noch freigesprochen wird. Doch bestimmte Formen der Grausamkeit gibt es auch hier, wenn zum Beispiel ein Mann in einem Fahrstuhl der U-Bahn zusammenbricht und sich stundenlang kein Mensch um ihn kümmert, bis es schließlich zu spät ist.

Wir waren hier in Westeuropa immer stolz auf Demokratie, humanitäre Hilfe und Solidarität mit Menschen, die aus Kriegsgebieten fliehen mussten. Doch wie es scheint wird es immer schwieriger, Hilfe und Mitgefühl zu mobilisieren. Nächstenliebe ist zur Mangelware geworden.

Jesus Christus warnte bereits in seiner Endzeitrede davor dass in dieser unserer Zeit die Mitmenschlichkeit rapide schwindet: „Weil die Ungerechtigkeit überhand nimmt, wird die Liebe in vielen erkalten !“ (Mt. 24,12) 
Welche Zukunftsaussichten haben wir da? Kann man gegensteuern? Damit wollen wir uns heute beschäftigen.

Ein gesegnetes neues Jahr wünscht unseren Lesern