Aktuell
17 Aug

Warum Religionsfreiheit?

Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das weiß heute jedes Kind. Aber wie vielen Leuten im säkularen Westen mag das Recht auf Religionsfreiheit in den Sinn kommen?

Kaum jemand denkt daran, dass dieses Recht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit in der Vergangenheit teuer erkauft wurde. Viele haben dafür gelitten und einen hohen Preis bezahlt.

 

Religionsfreiheit ist hauptsächlich eine protestantische Errungenschaft. Einer ihrer Vorkämpfer war Roger Williams aus dem Kreis der Puritaner. Die Puritaner mussten wegen Verfolgung ihre alte Heimat England verlassen um über dem Ozean eine neue Heimat zu suchen. Im Jahre 1620 verließ die „Mayflower“ mit den Pilgervätern die Küste Europas. Es war das Verlangen nach Gewissensfreiheit, das die Pilger bewegte, unbekannten Gefahren zu begegnen und ein Land zu suchen, indem sie frei ihren Glauben ausleben konnten, ohne von Staatskirche und König bedrängt zu werden.

 

Aber den großen Grundsatz religiöser Freiheit begriffen auch die Puritaner noch nicht, denn ihr Ziel war die Schaffung eines autoritären Staates unter religiöser Herrschaft. Daraus hätte sich wieder eine geistliche Diktatur entwickelt.

 

Einige Jahre nach der Gründung der ersten Kolonie an der Westküste Amerikas kam Roger Williams in diese Neue Welt. Williams suchte ernsthaft nach Wahrheit, aber er war auch freiheitsliebend. Er erklärte, dass staatliche und religiöse Macht voneinander getrennt sein müssen. Der Staat dürfe keine Macht über das Gewissen ausüben und staatliche Obrigkeit habe sich nur um Angelegenheiten des Staates zu kümmern. Niemand dürfe wegen seiner Religion oder Anschauung verfolgt werden. Niemand sollte zur Anbetung oder zum Besuch eines Gottesdienstes gegen seine Zustimmung gezwungen werden, denn das hieße Heuchelei verlangen! Die Erlangung eines Regierungsamtes dürfe nicht an die Kirchenmitgliedschaft gebunden sein.

 

Damit stieß er die Puritaner Neuenglands vor den Kopf und musste aus der Kolonie flüchten, mitten im Winter: „Vierzehn Wochen lang“, so schrieb er, „musste ich mich in der bitteren Jahreszeit herumschlagen, und ich wusste nicht, was Brot oder Bett heißt!“ Als er - bereits schwer krank - aufgeben wollte, fand ihn ein befreundeter Indianer in der Wildnis und pflegte ihn in seinem Wigwam gesund.

 

Schließlich gründete er den Staat Rhode Island mit der Stadt „Providence“. Providence (Vorsehung) war sein Dank an Gott, der ihn aus der Verzweiflung gerettet hatte. Dieser neue Staat gewährte jedem die volle Freiheit nach seinen Vorstellungen zu glauben. Alle, die aus Gewissensgründen verfolgt wurden, strömten nach Rhode Island. Roger Williams kleine Republik wurde in der Welt bewundert wegen ihrem Grundsatz, „dass jedermann das Recht haben sollte, Gott nach seinem eigenen Gewissen zu verehren:“ Diese Grundsätze, nämlich die bürgerliche und die religiöse Freiheit wurden auch zu Ecksteinen der jungen Republik der „Vereinigten Staaten von Amerika“. 

 

Die Religion wurde dadurch zu einer Frage, die nur den Menschen und seinen Schöpfer etwas angeht. Und dass daher Menschen keine Autorität über das Gewissen anderer ausüben können. Mit diesem Grundsatz wurden Zwang und Unglück beseitigt, die das Leben unzähliger Menschen zerstört haben. Deshalb wollen wir an den Grundsatz der Religionsfreiheit erinnern, ihn hochhalten und wenn notwendig, dafür eintreten.

 

Ihr  „Blickpunkt-Team“ 

30 Mai

Der demografische Wandel

In Österreich und Deutschland sind seit einer Reihe von Jahren beunruhigende Veränderungen zu beobachten. Immer mehr ältere Menschen stehen immer weniger jungen gegenüber. Die Bevölkerung als Ganzes altert, sie erlebt einen demografischen Wandel. Die durchschnittliche Frau in Österreich bekommt nur noch 1,44 Kinder, was deutlich unter dem Reproduktionsniveau liegt. Das bedeutet: Wir werden auch immer weniger. Dieser Trend hat schon vor zwei Generationen begonnen und ist vorläufig unumkehrbar.

 

Ein uns bekannter Notar bemerkte im Gespräch, dass er nach seiner Pensionierung noch mehr zu tun hätte als jetzt in seiner aktiven Zeit. Warum? Er würde mithelfen bei Essen auf Rädern und bei der Betreuung alter Menschen, denn „diejenigen die noch rüstig sind müssen die anderen mitversorgen, die nicht mehr können“. Eine neue Art gesellschaftlicher Solidarität müsse entstehen, denn „die öffentlichen Einrichtungen werden das auf die Dauer nicht mehr schaffen. Sie kommen jetzt schon manchmal an die Grenzen ihrer Belastbarkeit“. Das ist ein bemerkenswerter Gedanke.

 

Wenn wir einen historischen Rückblick machen, erkennen wir, dass der Übergang zu den modernen demografischen Verhältnissen jeweils mit einem Rückgang der Sterblichkeit begann. Davor gab es starke Schwankungen durch Seuchen, Kriege und Naturkatastrophen. Im vormodernen Europa bekamen Frauen in der Regel im Lauf ihres Lebens fünf bis acht Kinder, doch die Hälfte der Geborenen überlebte ihre Kindheit und Jugend nicht. Aber mit dem Einsetzen der gesellschaftlichen Modernisierung begann die Lebenserwartung zu steigen. Die Familien reagierten mit der Zeit auf die veränderten Lebensbedingungen mit einer Beschränkung ihrer Kinderzahl. Geburten– und Sterberate pendelten sich in einigen Ländern auf niedrigem Niveau ein. Die Erfahrungen der letzten 30 Jahre in Europa zeigen jedoch, dass die demografische Entwicklung nicht auf ein Gleichgewicht zwischen Geburten– und Sterbefällen zusteuert. In den westlichen Ländern sank die Geburtenrate bereits deutlich unter die Sterberate und das bedeutet längerfristig für Europa, aber auch Japan und Australien ein Schrumpfen der einheimischen Bevölkerungen.

 

Bedeutet dieser demografische Wandel bereits eine Vision des Untergangs oder bietet er auch viele übersehene Chancen? Wie gehen wir eigentlich als Christen mit diesen Entwicklungen um? Das sind Fragen, über die wir heute nachdenken wollen. Vielleicht sollten wir uns auch wieder rückbesinnen auf die  Wertschätzung alter Menschen nach dem biblischen Vorbild. 

 

Freundlichst,

                Ihr Blickpunkt-Team