Frankensteins Küche

Immer mehr Menschen in der westlichen Welt wollen immer abwechslungsreicher essen und haben dafür immer weniger Zeit.

Somit ist der Boom an Fertiggerichten vorprogrammiert. Schon heute arbeiten Ernährungswissenschaftler und Food Designer ständig an neuen Geschmackskreationen. Für den weltgrößten Lebensmittelkonzern, die Schweizer Nestle AG forschen 600 Chemiker und Physiker fortwährend nach neuartigen Lebensmitteln.

Doch Nahrungsmittel aus dem Labor erwecken beim europäischen Konsumenten Misstrauen. Viele fühlen sich zu Recht von allzu viel Chemie abgestoßen. Aber wie die Dinge heute aussehen, wird der Einsatz moderner Gentechnologien auch am Lebensmittelsektor nicht aufzuhalten sein.

Gentechnik im Supermarkt?


Das prominenteste Produkt aus dem Genlabor ist die Anti-Matsch-Tomate "Flavr Savr". Sie bleibt wochenlang schön fest und rot im Supermarktregal. Der Trick. Wissenschaftler isolierten das Reifungs-Gen und setzten es verkehrt herum wieder ein.

In den USA bauen Landwirte seit 1995 einen vom Ciba-Konzern entwickelten Mais an, der sich dank eines eingebauten "Killergens" selbst gegen Raupenfraß schützen kann. Auch bei Sojabohnen, Paradeisern, Erdäpfel und Weizen wurden ähnliche Insektenresistenzen eingebaut.

Mit Gentechnik geht man gegen Pflanzenkrankheiten und Schädlinge vor .Auch die milchverarbeitende Industrie gehört zum Einsatzgebiet der Gentechnik: Starterkulturen für Joghurt, Schimmelpilz aus dem Genlabor für Roquefort und "Chymosin", ein Enzym, das an- stelle von Lab aus Kälbermägen zur Käseherstellung verwendet wird.

Mit Glentechnik soll der Nährwert von Nahrungsmitteln beeinflusst werden. So können z.B. gewünschte Mineralstoffe und Spurenelemente nach Belieben angereichert und unerwünschte Bestandteile wie Fett und Zucker verringert werden. Fades Obst und Gemüse soll mit Genen für intensive Färb- und Aromaerlebnisse aufgebessert werden.

Auch die ENZYME sind ein weiteres, äußerst vielfältiges Einsatzgebiet in der Nahrungsmittelindustrie. Da gibt es eiweißspaltende Enzyme (in der Backindustrie, zur Käsereifung, als Zartmacher beim Fleisch), kohlenhydratspaltende Enzyme (künstliche Süßung von Getränken, Brotherstellung) und fettspaltende Enzyme.

Es gibt Bestrebungen, gentechnisch veränderte Mikroorganismen zur Herstellung von Aromastoffen, Geschmacksverstärken], Antioxydationsmitteln und Konservierungsstoffen einzusetzen. All das ist nur eine kleine Auswahl des Einsatzes der Gentechnik für den Supermarkt.

Im Bereich der sog. nachwachsenden Rohstoffe befasst sich die Gentechnik am intensivsten mit Kartoffeln und mit Ölsaaten wie Raps und Sonnenblume. Daher ist am ehesten mit der kommerziellen Anwendung von Kartoffeln mit industrieller Stärke und Ölsaaten mit veränderter Fettsäurezusammensetzung zu rechnen. Was bedeutet das für uns?

Die gesundheitlichen Risiken


Mit den neuen Kreationen aus dem Genlabor nehmen wir Substanzen zu uns, die bisher in der menschlichen Nahrung nichts zu suchen hatten. Zum Beispiel die neuen Eiweiße mit der Genübertragung werden Pflanzen dazu gebracht, Eiweiße zu bilden, die bisher nicht in Lebensmitteln zu finden waren wie z.B. die Aminosäure Methionin in Bohnen.

Was kommt da auf uns zu?

Die gesundheitlichen Risiken durch Gentech-Nahrung sind weitgehend ungeklärt. Es gibt aber verschiedenste Hinweise, die negative Auswirkungen befürchten lassen. So besteht die konkrete Gefahr, dass sich Lebensmittel-Allergien verbreiten. Eine US-Firma hatte beispielsweise ein Gen der Paranuss in Sojabohnen eingeschleust. Nun gibt es Menschen die auf Paranüsse allergisch reagieren, etwa fünf Prozent der Weltbevölkerung. Sie können sich behelfen, indem sie keine Paranüsse mehr essen. Wenn jedoch genmanipulierte Sojabohnen, die Paranussgene enthalten auf den Markt kommen und z.B. als Sojasprossen, Tofu oder in Saucen verwendet werden, können sich die Paranuss-Allergiker nicht mehr schützen. Das ist ein bekanntes Beispiel. Die Zukunft wird zeigen, welche Risiken von genmanipulierten Nahrungsmittelzusätzen ausgehen.

Wie schützen wir uns?


Viele Lebensmittel, die gentechnische Zusätze enthalten, werden leider für den Verbraucher nicht entsprechend gekennzeichnet.

Es ist daher ratsam. Biolebensmittel wie Obst, Gemüse oder Vollkorn entweder gut deklariert oder direkt beim Erzeuger (Biobauern) zu kaufen, sofern man nicht selbst einen Garten besitzt. Und noch etwas: Gewöhnen wir uns wieder Einfachheit beim Essen an. Kaufen Sie nicht Fertigmenüs, sondern möglichst wenig verarbeitete Produkte, das macht den Einsatz der Gentechnik weniger wahrscheinlich. Einfachheit hat hier eine Schutzfunktion: "Essen wie vor hundert Jahren", heißt die Devise. Die gesunden Bausteine