Muss ich Gott gehorsam sein?

Muss ich Gott gehorsam sein, um erlöst zu werden?

 

In den dreißiger Jahren hielt sich der Kaisersohn Otto von Habsburg im Pariser Exil auf. Dort lebte damals, ebenfalls auf der Flucht, der österreichisch-ungarische Dichter Joseph Roth, der Schreiber des Romans "Radetzkymarsch". Roth war ein glühender Monarchist, der dem einstigen Kronprinzen in unbedingter Treue ergeben war.
Leider war der große Schriftsteller ein schwerer Alkoholiker, der sich im Frühling des Jahres 1939 in einem bedauernswerten Zustand befand und Unmengen von hochprozentigem Trinkbranntwein zu sich nahm.


Ein Arzt, den er in Paris konsultiert hatte, sah keinen anderen Ausweg, als sich an Otto
von Habsburg zu wenden: „Sie sind der einzige, auf den Monsieur Roth hört, machen Sie bitte irgend etwas, damit er aufhört zu trinken." Und dann fügte der Arzt noch hinzu: „Andernfalls würde er in wenigen Wochen tot sein."
Otto von Habsburg ließ den Schriftsteller zu sich kommen und teilte ihm in eindringlichen Worten mit: „Herr Roth, Sie wissen, dass ich hier in Vertretung der Dynastie spreche. Ich befehle Ihnen, mit dem Trinken aufzuhören !"
Joseph Roth ging in Habt-Acht-Stellung und verabschiedete sich untertänigst von seinem Kaiser. Er hat von diesem Tage an keinen Tropfen mehr getrunken.
Wenn man einem verehrten Menschen so gehorchen kann, warum können wir dann nicht Gott gehorchen, der die allerhöchste Majestät des Himmels und der Erde ist? Zu den meisten Christen würde Jesus heute sagen: „Was heißet ihr mich Herr, Herr und tut nicht, was ich euch sage? (Luk.6,46)


Gehorsam und Erlösung

Die Voraussetzungen, um ewiges Leben im Reich Gottes zu erlangen sind heute genau die gleichen wie damals im Paradies: Vollkommener Gehorsam gegenüber Gottes Geboten durch den Glauben an Christus. Für das Himmelreich wird erwählt, wer charakterlich mit seinen Weisungen übereinstimmt und tut, was er verlangt, denn: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich komme sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel." Matth. 7,21

Aber da stellt sich die Frage: Ist die Erlösung nicht ein freies Geschenk Gottes? (vgl. Röm. 3,28) Jawohl. Wir können uns nicht den Himmel durch Gehorsam sozusagen „verdienen". Denn nur Christus kann das tun, was für unsere Erlösung notwendig ist, denn er starb für unsere Schuld am Kreuz und hat damit das Lösegeld für uns Sünder bezahlt! Christus vergibt unsere Schuld. Nicht unser Gutsein und unser Gehorsam versöhnt uns mit Gott, sondern Jesus ist es, der uns zu Gottes Kindern macht.
Allein die Gnade und Liebe Gottes, allein das Opfer Christi und allein unser Glaube führen zu unserer Rettung.
Welchen Stellenwert nimmt dann aber der Gehorsam ein? Wer die Liebe Gottes erfahren hat und aus seinem alten Leben herausgerufen wurde, will unter keinen Umständen unter die alte Sündenherrschaft zurück. (Röm. 6,17) Er verabscheut sein voriges Leben. Deshalb fühlt er sich an Gottes Willen, seine Liebe und seine Gebote gebunden. Er will mit Gott in Harmonie leben, weil er weiß, wie ein Leben ohne Christus aussieht, als er noch ein Sklave der Sünde war. Deshalb ist er Gott gehorsam.



Wir wollen hier einige Irrtümer aufzählen, die immer wiederkehren:


Der gesetzliche Gehorsam. Wer sich durch das Halten der Gebote selbst gerecht machen möchte, versucht Unmögliches; denn alles was wir ohne Christus tun, wird durch Selbstsucht und Sünde entwertet. Die Pharisäer zur Zeit Jesu prahlten mit ihrem Gehorsam gegen das Gesetz; in Wirklichkeit aber kannten sie wenig von seinen Grundsätzen.
Der evangelikale Irrtum. Dass der Glaube an Christus den Menschen vom Gehorsam gegenüber Gott entbindet, ist ein Trugschluss. „Christus hat die Gebote ans Kreuz geheftet!" Falsch. Jesus selbst gab uns ein lebendiges Beispiel des Gehorsams und konnte von sich sagen: „Deinen Willen mein Gott tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen." (Psalm 40,9). Die Gebote Gottes sind gültig so lange Himmel und Erde bestehen (Matth. 5,18) und sind daher vom Menschen zu befolgen.
Der katholische Gehorsam. Es wird gelehrt, dass Loyalität gegenüber der Kirche gleichzusetzen ist mit Loyalität gegenüber Christus. Das ist deshalb nicht richtig, weil in die Kirche im Laufe der Jahrhunderte viele Irrlehren hineingekommen sind, die nicht mehr der ursprünglichen Lehre Jesu entsprechen. Der Gehorsam, den Jesus meint, bezieht sich nur auf seine Lehre und seine Gebote, nicht aber auf die Überlieferungen und Traditionen einer Kirche. Christus erkennt sie nicht an. Die wahre Lehre Jesu finden wir nur in der Bibel.

"... Und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe." Matth. 28,20


Der Gehorsam des Glaubens


Wir dürfen nicht übersehen, dass unter biblischem Gehorsam nicht nur die äußerliche Erfüllung von Geboten, sondern der Dienst der Liebe zu verstehen ist. Jesus sagt: „Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote!" Unsere Liebe zu Gott beweisen wir durch den Gehorsam. Nur dann ist der Glaube echt.
Der Christ bleibt ein fehlerhafter Mensch mit einer sündigen Natur, die täglich Versuchungen ausgesetzt ist. Trotzdem verändert sich sein Leben schrittweise zum Guten. Durch den Gehorsam überwindet er seine alten sündhaften Neigungen. Gehorsam gegen Gott formt einen christlichen Charakter, veredelt den Menschen und stellt das Bild Gottes im Menschen wieder her.
Warum fällt es uns Menschen so schwer, Gott gehorsam zu sein?
Die Bibel sagt, dass wir von Natur selbstsüchtig und unter die Sünde verkauft sind (Röm.7,14).
Gott zu gehorchen fordert Opfer, Verzicht, Nachgeben und ruft oft das Unverständnis unserer Mitmenschen hervor. Aber das sollte uns nicht entmutigen.

Fassen wir zusammen:

Um Gott gehorchen zu können brauchen wir
Das richtige Motiv - die Liebe zu Gott und zu einem Leben nach dem Geist
Die Willensentscheidung, die wir selbst treffen
Die Kraft zum Gehorsam.
Die Kraft gibt uns der Heilige Geist auf unsere Bitten hin. Viele Menschen finden es zu schwer, Gott zu gehorchen, weil sie nicht verstehen, dass diese Kraft nicht aus uns selbst kommt, sondern eine Gnadengabe Gottes ist.

Daher kann der Psalmschreiber sagen:

„Gott rüstet mich mit Kraft und macht meine Wege ohne Tadel!" Psalm 18, 33