Das fünfte Gebot

„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!"


(2. Mose 20, 12)

Die Ehe und Familie besteht seit den Anfängen der Menschheit. Gott setzte sie bereits im Paradies ein. Daher steht die Familie unter Gottes besonderem und ausdrücklichem Schutz. Die göttliche Ordnung sieht vor, dass den Eltern die Verantwortung für die Kinder auferlegt ist, solange sie noch jung sind. Dazu gehört nicht nur die Sorge für Essen und Kleidung, sondern auch ihre Ausbildung, ihre charakterliche Formung und auch die religiöse und moralische Unterweisung: „Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder auf dem Wege gehst...." (5. Mose 5, 6 + 7) Wo dieses göttliche Gebot im Volk Israel vernachlässigt wurde, da gab es in der nächsten Generation einen Glaubensabfall, der in der Folge viele Sünden, Niedergang und schlimme Ereignisse nach sich zog.
Eltern sollten nach dem Plan Gottes ihre Autorität im Hause vertreten und die Vorbilder ihrer Kinder sein. Dafür können sie von ihren Kindern Dankbarkeit, Gehorsam und Fürsorge, besonders im Alter, erwarten. Doch das alles ist nur möglich, wenn Eltern ihren Erziehungsauftrag verantwortlich wahrnehmen.
In dem Augenblick, da der Staat den Schutz der Familie vernachlässigt und lieber „alternative" Lebensformen fördert (denen meist eine gottlose Ideologie zugrunde liegt), sägt er selbst den Ast ab, auf dem er sitzt. So wie es in den Familien, den kleinsten Zellen aussieht, so sieht es dann bald in der Gesamtheit aus.

Ohne Gott geht´s in die Dunkelheit

Unsere Generation lebt zunehmend beziehungsgestört zu einander. Spannungen, Zerwürfnisse, Trennungen und gegenseitige Missachtung machen das Familienleben oft zur Hölle. Eine Gesellschaft, die Gott als liebenden Vater aus dem Auge verloren hat ist unfähig, Kinder richtig zu erziehen. Wer niemals erfahren hat, was ein irdischer Vater bedeutet, der kann unmöglich das Vaterbild Gottes richtig verstehen. Ein rechter Vater bedeutet für das Kind Hilfe und Schutz, Verständnis, Weisheit, feste Führung und vor allem Fürsorge. Zu einem Vater möchte man aufschauen können. Doch wir entfernen uns heute immer mehr vom Idealzustand. Leben wir in einer „vaterlosen Gesellschaft?"

  • Es gibt immer mehr allein erziehende Mütter. Allein in Österreich sind es 300.000. Sie müssen ihre Kinder alleine und ohne Hilfe eines Partners großziehen und daneben auch den Lebensunterhalt verdienen.
  • Die vielen geschiedenen Ehen. Die Scheidungswaisen pendeln oft zwischen zwei Haushalten hin und her. Wer ist denn nun mein „Vater"? Der biologische oder der Mann, den die Mutter gerade als Lebensgefährten hat? Die Unordnung in den Beziehungen macht es beinahe unmöglich, das fünfte Gebot noch richtig zu verstehen.
  • Eltern, die ihren Erziehungsauftrag nur mangelhaft oder gar nicht mehr erfüllen. Der Vater, der nur noch zum Wäschewechseln heimkommt; die Mutter, die ihre Kleinkinder lieber an Fremde und öffentliche Versorgungseinrichtungen abgibt, um sich besser selbst verwirklichen zu können. Der Fernseher wird zum Erziehungsersatz. „Keine Zeit für die Kinder" oder „das macht die Frau", die durch ihre Berufstätigkeit auch keine Zeit hat. Wer diese Auffassung vertritt, hätte lieber keine Familie gründen sollen. Wie die Saat, so ist auch die Ernte. Die daraus entstehenden Kinder sind häufig sich selbst überlassen, werden in ein Chaos entlassen, haben viele Probleme und häufig gestörte Persönlichkeiten. Solche Eltern werden bittere Früchte ernten.
  • Die religiöse Unterweisung findet immer häufiger gar nicht statt. Die Glaubensvermittlung, die ursprünglich in der Verantwortung der Familie liegt, wurde von vielen für überflüssig erachtet, weil man selbst nichts mehr weiß oder auf den Religionsunterricht in der Schule abgeschoben. Doch es gelingt nicht „den Glauben ins Herz" zu bringen, wenn sich das Elternhaus völlig unbeteiligt verhält.

Christus fordert alle Eltern auf: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht!"
Wie wenige Kinder kennen von zu Hause noch Tischgebet, gemeinsame Andacht und Abendlied? Wo wird noch aus der Kinderbibel vorgelesen? Welche Eltern sind noch in der Lage, die Fragen ihrer Kinder nach Gott und den Sinnfragen des Lebens zu beantworten?

  • Auch manche moderne Erziehungsphilosophien wirken sich auf Eltern und Kinder verheerend aus, nach denen sich die Eltern dem Kind anpassen sollen, dem Kind keine Grenzen setzen sollen und sich viele fürchten, ihre Kinder zu tadeln und zu korrigieren. Gott hat sich etwas dabei gedacht, als er die Eltern als Autorität über das Kind stellte und nicht beide auf eine Stufe. Wer die Grundbegriffe des Christenlebens verstanden hat, weiß, dass diese Autorität weise, gütig und mit viel Einfühlungsvermögen ausgeübt werden soll. Man kann daher nicht der Boss sein und sich aus der täglichen Erziehungsarbeit davonstehlen!


Die Gewissensfrage bleibt: Machen manche Eltern ihren Kindern nicht auch oft das Leben schwer? Sind sie nicht auch oft mit schuld daran, wenn ihnen wenig Wertschätzung und Liebe entgegengebracht wird, weil ihr schlechtes Vorbild der Anlass gewesen ist? Haben Vater und Mutter ihre eigenen Unarten nicht im Griff und leben sie nur für sich selber? Haben sie die richtige Disziplin ihrer Kinder vernachlässigt und ihre schlechten Charakterzüge wie Ungehorsam, Respektlosigkeit, Unhöflichkeit, Faulheit und Vergnügungssucht einfach schleifen lassen? Eine solche Unterlassung wird später Unehre über die Eltern bringen und ihr Leben verbittern.
Wer eine gut funktionierende Familie haben möchte, muss vorher eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen, damit die Eltern verstehen was den Kindern gefällt und was sie glücklich macht. Dann werden die Kinder auch wohl überlegte Einschränkungen williger annehmen, wenn sie im Gegenzug Verständnis und Geborgenheit erhalten. Die Bibel sagt, dass sich die Eltern und Kinder gegenseitig lieben, sich in Barmherzigkeit, Güte, Demut, Nachsicht und Geduld begegnen sollen. (Kol. 3,12)

Gott erwartet von den Kindern Respekt und Gehorsam ihren Eltern gegenüber, weil er dadurch geehrt wird. Es ist gut, wenn die Kinder die Mühe und Arbeit, die die Eltern mit ihnen gehabt haben, dankbar anerkennen. Der beste Weg aber wie man Kinder dazu bringt, die Eltern zu respektieren ist, wenn sie sehen, wie Vater und Mutter freundlich und achtungsvoll miteinander umgehen. Nur vorgelebte Liebe ist überzeugend!

Geerntet!

„Er ist nie zimperlich mit seinen Eltern umgegangen. Der harte Ton, den er seinen alten Eltern gegenüber anschlug, erschreckte oft sogar die Nachbarn. Eines Tages übernahm der Sohn den Hof. Die Mutter starb, der Vater wurde rücksichtslos ins Altenheim abgeschoben. Auf dem Weg zum Altenheim musste der Vater oft Rast machen, doch barsch wurde er immer wieder von seinem Sohn angeschnauzt, sich doch gefälligst zu beeilen. Vergeblich bat der alte Vater immer wieder seinen Sohn um Erbarmen. Doch es half nichts.
Viele Jahre später übernahm der Enkel den Hof. Und damit er nun frei schalten und walten konnte, entschloss er sich, seinen alten Vater ebenfalls ins nahe gelegene Altenheim abzuschieben. Der Enkel trieb immer wieder ungeduldig zur Eile an und wunderte sich, dass sich sein alter Vater plötzlich auf einen Stein am Straßenrand setzte und in Tränen ausbrach. Auf die Frage, was er denn habe, antwortete er: „Vor genau 25 Jahren saß mein Vater auch auf diesem Stein, als ich ihn aus blankem Egoismus ins Altenheim brachte. Ich kannte damals keine Gnade. Heute widerfährt mir das gleiche. Ich ernte, was ich gesät habe!"