Das neunte Gebot

„Du sollst nicht falsches Zeugnis reden!"

2. Mose 20, Vers 18

 

Der Gegenstand des neunten Gebotes ist die Ehre und das Ansehen des Menschen. Es handelt sich dabei um einen hohen Wert, denn es geht um die Anerkennung der persönlichen Ehrenhaftigkeit, den Leumund, die saubere Weste. Jedermann hat ein Recht darauf, so ferne er seine Ehre nicht selbst beschmutzt oder zerstört.

 

Das neunte Gebot verbietet nun, die Ehre des Mitmenschen zu schädigen. Das hat auch etwas mit Ehrfurcht vor der Wahrheit zu tun. Denn „falsches Zeugnis", auch Verleumdung, üble Nachrede oder Rufmord genannt, ist Lüge und der „Vater der Lüge" ist Satan, der Widersacher Gottes. Daher sollen wir kein falsches Zeugnis reden, weder vor Gericht noch im Privatleben, weder öffentlich, noch insgeheim von Mensch zu Mensch.

Durch das neunte Gebot werden also die Ehre und der gute Ruf des Mitmenschen geschützt. Jeder Mensch freut sich von Herzen, wenn er merkt dass andere ihn achten, gut von ihm denken und reden. „Ein guter Ruf ist besser als großer Reichtum!" (Sprüche 22,1) Die persönliche Ehre ist eine notwendige Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten. Allerdings muss auch jeder selbst Sorge dafür tragen, seinen guten Namen zu erhalten.

 

 

 

Was verbietet das neunte Gebot?

 

  • Hinterhältiges Gerede über Nachbarn
  • Böswilliges Verleumden des Mitarbeiters beim Chef
  • Verrat beim Vorgesetzten, um des eigenen Vorteils willen,
  • Dulden von Mobbing, um jemanden „fertigzumachen".

 

Doch dieses Gebot ist noch weiterführend:

 

  • Negatives am anderen überbetonen
  • Parteigegner und Feinde durch Lügen schlecht machen
  • Die Wahrheit vertuschen oder verschweigen
  • Unterstellung böser Beweggründe
  • Übertreibung von Einzelheiten
  • Rechtsbeugung bei Gericht
  • Bewusste Falschmeldungen in der Presse in Umlauf bringen
  • Heuchelei und innere Verlogenheit („Wasser predigen und Wein trinken")

 

Wer durch unwahre Aussagen bewirkt, dass ein Unschuldiger verurteilt wird, begeht ein Verbrechen.
Ebenso wenn er einen Meineid schwört. „Die Worte des Verleumders sind Schläge und gehen einem durchs Herz!" (Spr.18,9) Leider gibt es Menschen die auf die Fehler anderer mit Fingern zeigen, um die Aufmerksamkeit von sich selber abzulenken.

 

 

 

Der Krieg der Zunge

 

„Die Zunge ist ein kleines Glied und richtet großen Schaden an. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet´s an! Die Zunge ist auch ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit!"
(Jak.3,5+6) Seit jeher führt die Zunge Krieg. Sie ist ein Giftpfeil im Dunkeln. Unsagbar viel Leid und Schmerz hat sie angerichtet. „Es bleibt immer etwas hängen!" mit diesem Ziel werden bewusst Falschmeldungen veröffentlich, Gerüchte verbreitet, um so den Gegner unter Druck zu setzen!
Besonders in Wahlkampfzeiten wird gerne öffentlich „Schmutzwäsche" gewaschen, allerdings auf Kosten des Vertrauensverlustes. Es ist oft leichter, einen Bienenschwarm zu bändigen, als sich gegen Verleumdungen wehren zu können.
Nicht anders verhält es sich mit der Verleumdung und dem Verbreiten falscher Gerüchte. Sie können zwar vergeben werden, aber der angerichtete Schaden ist oft nie wieder gut zu machen.

 

Ein Pastor hatte in seiner Gemeinde seine liebe Not mit einer Frau, die immer böse Gerüchte über andere verbreitete und damit viel Zank und Streit anrichtete. Eines Tages bat er sie in sein Pfarrhaus, und zu ihrem Erstaunen gab er ihr ein aufgeschnittenes Daunenkissen in die Hand. Er bat sie, die Daunen alle aus dem Fenster zu beuteln in den Wind, bis die Kissenhülle leer war. Als die Frau das getan hatte, sagte er: „So, jetzt gehe hinaus und hole sie alle zurück!" Die Frau antwortete erschrocken: „Unmöglich! Das schaffe ich nie!" „Siehst du, genauso kannst du deine bösen Reden nicht mehr zurückholen!"

 

 

 

Die Gerüchteküche in den Medien

 

Personen, die im öffentlichen Leben stehen, können ein Lied davon singen. Sie finden in den Medien ein verzerrtes Bild von sich selbst, erfahren Dinge über sich, die sie selbst nicht wissen. Schwächen werden unbarmherzig bloßgestellt, Privates und Intimes an die Öffentlichkeit gezerrt. Die Sensationsgier setzt sich heute zu oft über Moral und Anstand hinweg. Was können wir noch glauben? Zu oft wurde gelogen, eine unwahre PR oder „schwarze Propaganda" wird subversiv verwendet um jemandes Ruf zu vernichten durch absichtliche und bezahlte Falschinformationen.
Man erkennt es häufig an der „Angriffssprache", das sind Worte die einen emotionalen Hieb austeilen und die Voreingenommenheit bei den Lesern oder Fernsehern schüren sollen. Im schlimmsten Fall wurde eine solche „schwarze Propaganda" eingesetzt um einen Krieg gegen ein ganzes Land zu rechtfertigen (z.B. „besitzen Massenvernichtungswaffen"). Die öffentliche Meinung zu verbilden durch Lügen ist ein klassischer Trick der Kriegsführer. Ein „falsches Zeugnis" war oft genug der Anlass für einen Völkermord. „Und das Recht ist zurückgewichen, und die Gerechtigkeit hat sich entfernt; denn die Wahrheit ist auf der Gasse zu Fall gekommen, und die Aufrichtigkeit findet keinen Eingang." (Jes.59,14)

 

Das Heilmittel

 

Durch Nichtbeachtung können wir verleumderische Reden wirkungslos machen, indem wir nicht auf sie hören. Wer von christlicher Liebe durchdrungen ist, und den Geist des Glaubens besitzt, wird den Mut haben, die Wahrheit in Liebe zu sagen, und zwar immer auf dem direkten Weg und nicht über Zwischenträger. Damit würde ein vertrauensvolles Zusammenleben unter den Menschen möglich sein.

 

„Es braucht eine hohe Selbstdisziplin eines jeden einzelnen, um jedes „falsche Zeugnis"
zu unterlassen, und der Wahrhaftigkeit zu ihrem Recht zu verhelfen. Die Bibel sagt: „Darum legt ab die Lüge und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten...!" (Eph.4,25) Doch wir werden oft feststellen, dass dies unser menschliches Vermögen übersteigt. Das bringen nur Menschen fertig, die sich von einer höheren Macht als ihrer eignen leiten lassen, nämlich von Jesus Christus.

 

Darum betete der König David:
"Herr, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen!" Psalm 141,2