Das zehnte Gebot

„Du sollst nicht begehren!"

2. Mose 20, Vers 17

 

Das zehnte Gebot lautet Vollständigerweise: „Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, noch seine Diener, Rinder oder Esel, noch irgendetwas anderes, was dein Nächster hat!" Mit anderen Worten: Suche nichts an dich zu bringen, was einem anderen gehört. Sei zufrieden mit dem, was dir Gott gegeben hat und was du verwalten darfst. Dieser Schutzgedanke steht im Vordergrund. Das zehnte Gebot wendet sich gegen Habsucht und Neid und fördert damit in entscheidender Weise den sozialen Frieden.

 

Dieses Gebot klingt von allen Geboten am unzeitgemäßesten. Wir hören heute ganz andere Slogans: „Du darfst!" „Genuss sofort !" „Wenn es dir Spaß macht, dann tu es!" „Kaufe jetzt und zahle später!" Permanente Werbung weckt permanente Bedürfnisse. Begehrlichkeit ist „in".
Bei dem zehnten Gebot geht es um eine Dimension innerer Freiheit. Hier geht es nicht um Tun oder Lassen, sondern um unsere Motive. Es geht um die Freiheit des Herzens, mit Freude das Richtige zu tun! Was auf den ersten Blick wie eine Wiederholung des achten Gebots aussieht: „Du sollst nicht stehlen!",bezieht sich in Wirklichkeit auf das innere Motiv, auf das Begehren, das bis zum Raub führen kann.

 

Im zehnten Gebot wird daher noch einmal ausdrücklich auf die Gefahr des Begehrens hingewiesen, dieses Liebäugeln mit dem Hab und Gut des Mitmenschen. Gott kennt und bejaht unsere Bedürfnisse. Doch dieses unmäßige Haben- Wollen von Dingen wird dadurch verwerflich, dass sie der Mensch weder als von Gott kommend empfängt, noch sie zu seiner Ehre verwendet. Er beleidigt eigentlich Gott damit.

 

Bis auf die Wurzel

 

Das Lustpotential des Menschen ist riesengroß. Aus Neid und egoistischen Beweggründen respektiert er oft nicht die von Gott verordnete Schutzzone des Nächsten. Die Welt bricht heute alle Tabus der Ethik und Moral. Der totale Lustgewinn erfüllt rücksichtslos alle Lebensräume. Die Gier „ich will mehr!" ist erwacht. Essen und Trinken, Sexualität und Gesundheit, Erlebnissucht, Freizeit, kein Gebiet ist mehr ausgenommen. Was am Ende von allem „Haben, Sehen und Genießen müssen" übrig bleibt, ist eine innere Leere, die Unzufriedenheit des Geistes und ein Übermaß an Sünde und Schuld! "Die Augen der Menschen sind unersättlich!", sagt das Buch der Sprüche (27,20)

 

Von Anfang an führte das falsche Haben- Wollen zur Sünde. Das lernen wir aus dem Alten Testament. Es war Eva im Paradies, die die verbotene Frucht begehrte, und damit Leid und Tod über das Menschengeschlecht brachte. (1. Mose 3,6) Es war Achan, der bei der Eroberung Jerichos durch Diebstahl einen Bann über das Volk Israel brachte, so dass sie geschlagen wurden (Josua 7,21) König David begehrte Bathseba, die Frau eines Soldaten seiner Leibgarde. Die Folge waren Ehebruch, Lüge, Raub und Mord. König Ahab wollte unbedingt den Weinberg seines Nachbarn Naboth haben und Isebel, seine skrupellose Frau ließ ihn umbringen (1. Kön.21). Doch der Prophet Gottes kündigte dem König dafür ein schlimmes Ende an.

 

Das zehnte Gebot hat im Blick, dass jeder Sünde ein sündiges Begehren vorausgeht. Das spricht auch Jesus in der Bergpredigt an: „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei......" Das sind die Dinge, die den Menschen verunreinigen." (Matth.15,19 + 29)

 

Jakobus beschreibt im Neuen Testament diesen Kreislauf des Begehrens: „Jeder der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod."
Wer im Kreislauf des Begehrens gefangen ist, ist unfrei und erreicht nicht die von Gott gewollte Lebensqualität.

 

Wir wissen doch, dass die äußerliche Erfüllung aller Wünsche nicht automatisch zu echter Befriedigung führt! Ein altes Volkslied prägt uns ein: „So mancher lebt im Überfluss, hat Haus und Hof und Geld. Und ist doch immer voll Verdruss, es freut ihn nicht die Welt. Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Klagen still!"

 

Eine Hauptursache, warum viele neidisch auf das Hab und Gut ihrer Nächsten sind, ist, weil in unserer Welt Ungleichheit besteht. Armut und Reichtum existieren nebeneinander und führen zu Konflikten, oft scheinbar berechtigt. Doch die Menschen suchen meist nach falschen Lösungen