Die Gebote und das Evangelium

Was bewirkt das Halten der Zehn Gebote bei uns Menschen?

 

„Du machst mich mit deinem Gebot weiser!" Psalm 119,98
„Halte meine Gebote, so wirst du leben!" Spr. 4,4
Großen Frieden haben, die dein Gesetz lieben; sie werden nicht straucheln." Ps.119,165

Die Gebote Gottes zeigen uns den Weg zu einem glücklichen Leben. Die eigentliche Aufgabe der Zehn Gebote besteht darin, einen klaren Trennungsstrich zwischen Recht und Unrecht zu ziehen; den Menschen mit der Art des Verhaltens bekannt zu machen, das die Zustimmung Gottes hat.

Sie führen aber auch zu dem Eingeständnis, dass der Mensch im Grunde genommen, trotz seines Bemühens nicht in der Lage ist, immer und allezeit jedes einzelne Gebot Gottes zu halten. Der Apostel Paulus, der wirklich bestrebt war, Gottes Gebote zu halten, musste von sich sagen:
...Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.
Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen vom Leibe dieses Todes?"
(Römer 7, 14,19,24). Welche Aufgabe haben dann die Gebote Gottes?

Die Gebote Gottes sind wie der Spiegel an der Wand, der uns zur Selbsterkenntnis bringt. Der Spiegel macht mich aufmerksam, dass ich schmutzig bin. Aber reinigen kann er mich nicht. Dazu braucht es ein Reinigungsmittel, nämlich Wasser und Seife.

Der Spiegel der Gebote macht mich auf meinen sündigen Zustand aufmerksam: „Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durchs Gesetz!" (Röm. 7,7) Von der Schuld befreien, das können die Gebote allerdings nicht. Das Reinigungsmittel für unsere Schuld und Sünde (= Übertretung der Gebote) ist das teure Blut Jesu Christi, das er am Kreuz von Golgatha zur Vergebung unserer Sünden vergossen hat : „.....an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade." (Eph. 1,7)
Hier tritt jetzt das Evangelium, die frohe Botschaft von der Erlösung, in Kraft!

Der Irrweg - Die Selbsterlösung

Viele Menschen versuchten durch Fasten, Kasteien, Entsagung, Bußübungen, gute Werke, Meditieren und Aufopferung bis zur Selbstaufgabe sich das Wohlgefallen Gottes zu verdienen. Dr. Martin Luther berichtet von seiner Zeit als Mönch: „Wenn je ein Mönch durch Möncherei in den Himmel gekommen wäre, so wollte ich auch hineingekommen sein. Ich hätte mich schier zu Tode gemartert mit Fasten, Beten und Lesen, wenn es noch länger gedauert hätte." Aber er fand dabei keinen Frieden, bis ihm Gott eine Tür auftat und er die vergebende Gerechtigkeit erkannte, die aus dem Glauben an den Heiland kommt, der Sünder erlöst.

Selbsterlösung ist Selbstbetrug, weil der Mensch im Grunde genommen das bleibt, was er ist: ein Übertreter der Gebote Gottes. Die göttliche Diagnose lautet. „Da ist wirklich keiner, der Gutes tut, da ist auch kein einziger!" (Röm.3.12) Mit ein paar guten Taten kann man die begangenen schlechten Taten der Vergangenheit niemals ungeschehen machen.

Auch der so viel gepriesene Humanismus mit seiner Ansicht, dass der Mensch von Natur aus gut sei, und das Gute in ihm nur der Weiterentwicklung bedürfe, ist ein Trugschluss. Die Menschheit hat sich in ihrer Geschichte nicht aufwärts entwickelt, sondern ein nicht aufzuhaltender, sittlicher und moralischer Niedergang ist die traurige Wahrheit, besonders in den letzten Jahrzehnten.

Sind wir wirklich rettungslos verloren? Trotz allen guten Willens? Gehen wir unweigerlich dem gerechten Gericht Gottes entgegen? Steht am Ende für den Sünder, der die Gebote Gottes übertreten hat, die ewige Verdammnis? JA.
Unsere moderne Gesellschaft hat das Faktum der Sünde überhaupt beiseite geschafft, das ist ein noch größerer Irrweg, weil sich der Mensch dann gar nicht mehr als Sünder in den Augen Gottes erkennen kann. Der Zustand der Verlorenheit ist umso schlimmer.

Die Möglichkeit der Rettung

Nachdem ein Mensch sich selbst aus dem Dilemma der Sünde nicht befreien kann, muss eine höhere Kraft als die menschliche uns zu Hilfe kommen. Gibt es eine Wahrheit die frei macht? Ein Dasein, das sich lohnt? Es gibt einen Weg.
Jesus Christus sagt von sich selbst: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich!" (Joh.14,6)
Was bedeutet das „Evangelium?" Es ist die gute Nachricht von der Errettung des Sünders durch Jesus Christus: „Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben!" (Röm. 1,16)
Was ist die Bedeutung des Namens Jesus? „Und sie wird einen Sohn gebären, dessen Namen sollst du Jesus heißen; denn er wird sein Volk erretten von ihren Sünden!" (Matth. 1,21) In Jesus Christus wird die Kraft offenbar, die Menschen vom Fluch der Sünde erlöst.

Warum Jesus Christus?

Jesus Christus, der Sohn Gottes, verließ die himmlische Herrlichkeit, all den Glanz und die Ehre, die er im Reich Gottes besaß, aus Liebe zu dem verlorenen Menschengeschlecht. Er legte seine Göttlichkeit ab und nahm die beschränkte menschliche Natur an. Er wurde angefeindet, verachtet und schließlich ans Kreuz von Golgatha geschlagen. Gott legte unsere Verlorenheit und Sünde auf seinen Sohn. Er sühnte unsere Sünde und Schuld. Darum wurde Jesus Christus am Kreuz auf Golgatha für uns Menschen zum Stellvertreter.

Doch Jesus ist auferstanden. Er lebt! Der Weg zu Gott ist jetzt frei, die ewige Trennung, entstanden durch den Sündenfall, ist durchbrochen. Die Sünde kann jetzt durch Jesus vergeben und die Gemeinschaft mit Gott wieder hergestellt werden. Jeder kann die Gnade der Vergebung in Anspruch nehmen, als eine freie Gabe. Was bleibt, ist Dankbarkeit für immer!

Die Bedingung

„Denn Christus ist das Endziel des Gesetzes; wer an den glaubt, der ist gerecht." (Röm.10,4)
Die Bedingung ist für jeden einzelnen Menschen, an die Heilstat Jesu zu glauben und Jesus Christus als seinen persönlichen Erlöser anzunehmen. Wir müssen Jesus Christus die Herrschaft unseres Lebens überlassen. Das bedeutet für uns eine Übergabe des Herzens: „Dein Wille geschehe!"

Nur dann kann er unser Leben und unseren Charakter zum Guten verändern. Nur dann versiegelt er uns mit dem heiligen Geist. Nur dann sind wir mit seiner Hilfe in der Lage, Gottes Gebote zu erfüllen. Nur dann kann Gott uns das ewige Leben verleihen.

Und wenn wir wieder versagen und schuldig werden? Auch der bekehrte und getaufte Christ kann in Sünde fallen, nicht mit Absicht, aber aus Schwachheit. Darum ist die tägliche Reinigung notwendig. So wie wir täglich den Körper reinigen, so bekennen wir täglich unsere Sünden, Fehler und Mängel vor Gott und haben die Zusage: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend!" (1. Johannes 1,9)
Nur so ist es möglich, ein fortwährend gereinigtes Leben zu führen, das Gott ehrt. Schon Dr. Martin Luther erkannte richtig: „Die Vergebung ist für die vergangenen Sünden; die Gebote sind für die zukünftigen Sünden!"

Lieber Leser! Beim Studium dieses Themas haben Sie sicher erkannt, wie wichtig es ist, das richtige Verhältnis zwischen den Geboten und dem Evangelium zu haben, denn auf diesem Gebiet gibt es heute viele Missverständnisse. Die Bibel drückt das in folgenden Worten so aus:

„Hier ist die Standhaftigkeit der Heiligen; hier sind die da halten die Gebote Gottes und den Glauben an Jesus!" (Offenb.14,12)