Kaufen! Haben! Gleich!

Wie können wir  Konsumkindern den vernünftigen Umgang mit Geld beibringen?

 

In unserem Nachbarland Deutschland sind zwei Millionen Haushalte untilgbar verschuldet. Fünf Millionen Personen in Deutschland  befinden sich an der Grenze der Zahlungsunfähigkeit. Etwa die Hälfte davon hat im Durchschnitt Konsumkredite von über 25.000 €uro angehäuft. Wie ist es dazu gekommen?

 

Der Einstieg in die Verschuldung

Unüberlegtes, spontanen Verlockungen nachge-bendes Kaufverhalten ist in der Regel der Einstieg in die Verschuldung. Sind die Wünsche größer als die Möglichkeiten und füllt man die Lücke mit ei-nem Konsumkredit, droht der Absturz in das Schul-denloch. Mit steigender Zinslast wird die Bewe-gungsfreiheit immer geringer.

Eine besonders  tückische Schuldenfalle ist für Kinder und Jugendliche das Handy. Der Handy-kult heutiger Jugendlicher ist für ihren Umgang mit Geld geradezu beispielhaft. Der Kult hat häufig psychologische Ursachen: Telefonieren kann Lan-geweile und Einsamkeit vertreiben; außerdem ist das Gerät ein sichtbares und hörbares Status-symbol. Häufige Anrufe sind Zeichen für Be-liebtheit.  Weil das Kostenbewusstsein fehlt, sind Jugendliche oft preisunempfindlich. Und weil für das Telefonieren kein Bargeld bezahlt wird, mer-ken sie gar nicht, dass (und wie hoch) sie sich verschulden.

Je weniger Gelegenheiten Kinder für Spiele, Abenteuer und einfache Arbeit in freier Natur  - und damit auch für Erlebnisse - haben, desto stärker rückt das Geld in den Vordergrund. Von den ständigen Verlockungen unserer Konsum- und Spaßgesellschaft und von reicheren Freunden geht ein starker sozialer Druck aus. Er erzeugt bei jenen, die nicht mithalten können, Gefühle der Be-nachteiligung und Zweitklassigkeit.  Dazu kommt noch die ewige Fernsehbotschaft in Werbung und Spielfilmen und die heißt: „Nur wer viel hat ist ein wertvoller Mensch!“ Die stärksten auf Heran-wachsende Einflüsse zielen heute auf Haben, Genießen und Gelten. Dieser „heimliche Lehrplan“

der Massenmedien und der Werbung  ist also der stärkste Miterzieher, leider häufig unbemerkt.

Aber auch Banken und Sparkassen richten gezielt ihre Werbung auf Jugendliche mit Slogans wie; „Willkommen beim Haben wollen!“ Oder Versandkaufhäuser, die Kunden mit Sprüchen anlocken wie: „Kaufen Sie jetzt, bezahlen Sie später!“ So stehen Eltern, die ihrem Kind Kom-petenz im Umgang mit Geld vermitteln wollen, in Konkurrenz mit Einflüssen, die zu unbedachten Geldausgeben verleiten. Sie haben jedoch einen großen Vorteil, den sie nutzen sollten: das Familiengespräch und das persönliche Vorbild.

 

Erziehungsziel: Selbstkontrolle oder wie man Verlockungen widersteht

 

Wir kennen das alle. Da steht man an der Kasse eines Supermarktes. Dahinter eine junge Frau mit Kleinkind im Einkaufswagen.. Die Patschhändchen sind überall dazwischen. Es sucht sein versprochenes Eis. Doch es dauert eben, die Mutter ist beschäftigt. Und dann gibt es lautes Geplärre. Ohne Rücksicht auf Verluste entwickelt sich plötzlich das liebe Kindlein zum Tyrannen: Eis haben!! Jetzt und sofort. Wir sind ja alle mehr oder weniger von den Zwängen der Lustbefriedigung gehalten. Lernt das Kind jetzt von der Mutter, geduldig zu warten? Geduld heißt, die Spannung auszuhalten, eine Verzögerung zu ertra-gen. Diese Erziehungsmaßnahme muss bereits im Kleinkindalter beginnen, noch bevor das Kind etwas mit Geld zu tun hat.

Der spontane Wunsch, ein gesehenes Spielzeug sofort besitzen zu wollen, entspricht dem kindlichen Wesen. Entscheidend ist jetzt, wie die Eltern darauf reagieren. Hier gabelt sich der Weg, der die weitere Entwicklung bestimmt. Verfestigt sich der Anspruch auf sofortige Bedürfnis-befriedigung - besonders auch beim Naschen, Essen und Trinken - so kommt es zum Stillstand auf einer frühen infantilen Entwicklungsstufe. Es ist daher falsch, jeder Laune des Kindes nachzugeben.

Zur charakterlichen Reifung gehören Selbst-beherrschung, das Aufschieben von Bedürfnissen und die Fähigkeit, Belohnung oder auch Erfolge —als Ergebnisse längeren Bemühens-  abwarten zu können.

 

Sowohl schnelle Bedürfnisbefriedigung als auch der Bedürfnisaufschub finden im Geldver-halten ihren deutlichsten Ausdruck. Flottes Geld-ausgeben dient dem spontanen Lustgewinn. Sparen dagegen ist zukunftsorientiert und hilft, verant-wortungsbewusstes Handeln zu entwickeln. In biblischen Zeiten wurde die Unfähigkeit sein Vermögen zusammenzuhalten, weil auf kurz-fristigen Genuss orientiert, so beschrieben:“ Wer gern in Freuden lebt, wird Mangel haben und wer Wein und Salböl liebt, der wird nicht reich.“ (Sprüche 21,17)

Die auf Konsum fixierten Kinder (oder Erwach-senen) entwickeln eine Art „Kassen-Mentalität“: nehmen und nehmen und nehmen......

Das Habenwollen ist ein Symptom für Ich-Schwäche und Unsicherheit. So kann Geld  näm-lich zum Ersatz für andere, mit Anstrengung ver-bundene Erfolgserlebnisse werden. Aber woher kommt es und wie bekommen wir es?

Zum psychischen Reifungsprozess gehört die wachsende Einsicht, dass Glück nicht von Geld oder von materiellen Dingen abhängt: Aus der Bewältigung von Schwierigkeiten, Anstrengungen, Selbstüberwindung und auch aus dem Mut zum „Nein“-Sagen. Dadurch erhalten wir eine Per-sönlichkeitsstärke, die uns innerlich befriedigt und gute Früchte bringen wird.

Da die  Zeiten finanziell und wirtschaftlich nicht rosiger werden und immer mehr   Familienerhalter arbeitslos werden oder unsichere Jobs haben, kann man nur sagen, je eher die Abkehr der Familien von der Konsumorientierung gelingt, desto besser.

Wer Genügsamkeit gelernt hat, besitzt langfristig einen großen Vorteil und wird viel eher ein zufriedener Mensch sein.

 

Der Apostel Paulus hat durch sein Leben mit Christus  einen so hohen Standard erreicht, der uns heute nur in Erstaunen versetzt:

„....denn ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie es mir auch geht.

Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden.

Ich vermag alles durch den der mich mächtig macht, Christus.“  (Phil. 4, 12.13.)

 

  

Wie bringen wir Konsumkindern den vernünftigen Umgang mit Geld bei?

 

Eltern können ihrem Kind Geldkompetenz vermitteln, indem sie ihnen Einblicke in die Welt des Geldverdienens, Geldausgebens und Sparens vermitteln.

 

Am Anfang steht die Aufklärung, dass Geld nicht einfach „da“ ist, sondern durch Arbeit erst einmal verdient werden muss. Kinder im Schulalter sollen Gelegenheit bekommen, sich kleinere Beträge durch eine Extraarbeit zu „verdienen“. Dann werden sie den Wert des Geldes besser schätzen lernen.

Kinder sollen bald lernen, echte Bedürfnisse von Wünschen zu unterscheiden, zu artikulieren und evtl. eine Rangreihenfolge ihrer Wünsche aufzustellen: „Was ist dir jetzt wirklich am Wichtigsten?“ Vor einem gemeinsamen Einkauf spricht man darüber, was (und warum) gekauft werden soll, ob es Alternativen gibt, wie viel die Anschaffung kosten darf und worauf beim Kauf zu achten ist (zum Beispiel mit der neuen Hose niedersetzen, ob sie nicht einengt). Im Geschäft kann man die Angebote prüfen und sich die Qualitätsunterschiede zeigen lassen. Es folgt die Frage nach dem Preis und eine gemeinsame Beratung. Kinder sollen so lernen, ihre Kritik zu artikulieren: „Das ist mir zu teuer!“ oder „Das muss ich mir noch einmal überlegen!“

So erleben sie, dass man nichts kaufen muss und dass eine Kaufentscheidung nicht impulsiv zustande kommen sondern gut durchdacht sein soll.

Ein Schaufensterbummel bietet den Eltern Gelegenheit zum Hinweis auf Dinge, die sie selbst gerne kaufen würden, für die aber noch das Geld fehlt. Die unmissverständliche Botschaft: Auch Er-wachsene können sich nicht jeden Wunsch erfüllen, sondern müssen dafür sparen.

Ein wichtiger Lehrpunkt ist, dass Kinder beizeiten lernen Schulden zu meiden wie die Pest und keinesfalls mehr auszugeben als vorhanden ist, und das im Gegensatz zu sämtlichen Werbespots  „kaufe gleich und zahle später“. Jedes Schulden-machen ist wie ein Strick, der uns fesselt und von dem man sich nur langsam und mühsam wieder befreien kann.

Kinder im jüngeren Alter sind völlig ahnungslos, daher muss man ihnen im Familiengespräch helfen, den Verführungen der Werbung und des Markenkultes zu widerstehen, denn sie zeigen in die falsche Richtung: “Nur wer viel hat, ist ein wertvoller Mensch!“ Dieses kapitalistische Dogma muss widerlegt werden, weil es den Charakter verkümmern lässt. Ein freund-liches, hilfsbereites und wohlerzogenes Kind ist unendlich wertvoller als die teuerste Pokémon- Schultasche.

Die Werbung, die so viel verspricht und wenig hält, muss eindeutig im elterlichen Gespräch entzaubert werden. Der Zentralverband der deut-schen Werbewirtschaft behauptet sogar, Kinder würden ohne Werbung wenig oder nichts über wirt-schaftliche und soziale Zusammenhänge lernen. Sie würden durch die Werbung sogar begreifen, wie man mit Geld umgeht.  Das stimmt jedoch so nicht.   Aus der Werbung lernen sie weder Produkt-eigenschaften noch -nachteile kennen und vor allem nicht, dass es oft preisgünstigere, mit teure-ren Marken nahezu identische Produkte gibt. Allmählich ganz auf Marken fixiert, können die meisten Kinder nur Werbesprüche nachplappern. Von daher sind sie keineswegs - wie behauptet - fähig, im Familienrat über Käufe und Anschaf-fungen vernünftig mit zu entscheiden.

 

Weitere Erziehungsziele

 

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Konsumieren und Sparen ist ein wichtiges Erziehungsziel. In dieser Mitte kann psychische Stabilität wachsen. Wer diesen Mittelweg findet, behält seine Entscheidungsfreiheit. Diese fehlt so-wohl dem Verschwender, als auch dem Geizhals. Beiden fehlt die Erfahrung, immer neu zwischen Geld ausgeben und Sparen abzuwägen.

Der preußische Generalfeldmarschall von Moltke (1800-1891), der unter sehr beengten Geld-verhältnissen aufgewachsen war, hatte einmal sei-nem Großneffen 20 Mark geschickt (was heute einer Summe von ein paar hundert Euro entspre-chen würde). Der aber fragte, was er mit so viel Geld anfangen solle, und bat um einen Rat. Darauf antwortete der alte Moltke: „Ich habe dir das Geld geschickt, damit du beizeiten lernst, damit umzu-gehen. Wenn du den ganzen Betrag in deinem Sparkassenbuch anlegtest, so wärest du ein Geiz-hals; wenn du ihn in kurzer Zeit verläppertest, so wärest du ein Verschwender. Das Richtige liegt in der Mitte. Wie du mit diesen 20 Mark verfährst, so wirst du einst mit größeren Summen wirtschaften.  Wer seine Einnahme voll ausgibt, wird es zu nichts bringen; wer mehr ausgibt, wird ein Betrüger oder ein Schwindler...“

Wir gehen hier noch einen Schritt weiter. Zur richtigen Verwaltung seines Einkommens gehört auch das Geben. John Wesley, ein eng-lischer Erweckungsprediger im 18. Jhd. vertrat den Grundsatz, dass man im ausgewogenen Verhältnis ausgeben, sparen und auch weggeben soll. Kinder sollen lernen, von ihrem Eigentum etwas wegzu-schenken. Nicht nur in seltener Gönnerlaune, sondern als ständige Haltung, die zum Teilen bereit ist. Es wird sie von Egoismus und Haben-Wollen frei machen. Aus diesem Grund sagte Christus: „Geben ist seliger als nehmen!“ Nur wer selbst verzichten kann,  kann auch ein Geber sein. Daher haben wir auch kein Recht, alles selbstsüchtig zu verbrauchen.

Extravagante Ansprüche einschränken. Der Begründer englische Waisenhäuser im 19 Jhd., Georg Müller, lebte als ein Mann ohne fixes Gehalt aber mit Gottvertrauen und festen Grundsätzen. Seine Haltung war: „Ich habe stets das Notwendige besessen und mir auch das Angenehme gegönnt, mir aber niemals Extravaganzen geleistet. Denn da-mit hätte er sein Werk, das nur auf Spendenbasis bestand, nicht erfolgreich führen können. Ein-fachheit im Essen, in Kleidung und Lebenshaltung hilft enorm Geld sparen. Verschwenderische Ge-wohnheiten dagegen zerstören bis zu einem ge-wissen Grad die Nützlichkeit eines Menschen, denn sie machen ihn maßlos.

Wir erklären den Kindern, dass teure Markenkleidung, Schulsachen und Statussymbole nicht unbedingt notwendig sind, wenn es gleich-wertige Dinge wesentlich preisgünstiger gibt.

Statt Geld für Süßigkeiten gibt es zum Beispiel ein gesundes, nahrhaftes Schulbrot!

 

Verzicht und Sparsamkeit in kleinen Din-gen. Wie viel gutes Essen landet bei uns in der Mülltonne, während in den Ländern der 3. Welt täglich tausende Kinder verhungern! Wir können den Kindern im Alltag beibringen, dass wir nur Haushalter von Gottes Gütern und nicht zur Ver-schwendung berechtigt sind. Eines Tages werden wir das verantworten müssen, wenn es heißt: „Tue Rechnung von deinem Haushalten!“ (Lukas 16,2). Vielleicht wäre es für das eine oder andere übersatte Wohlstandskind hilfreich, einen oder mehrere Tage mit „afrikanischen Rationen“ zu Lehrzwecken zu verbringen. Die Augen sollten nicht größer sein als der Magen! Nichts wird weggeworfen, was man noch verwenden kann.

 Auch Christus war sparsam. Als er ein Wunder tat und mit fünf Broten und zwei Fischen tausende Menschen in der Wildnis ernährte, ließ er hinterher die Reste einsammeln, so dass nichts verschwendet wurde.

Der Wert einer Buchführung. Sobald Kinder lesen und schreiben können und Zahlen kennen, können sie lernen alle Einnahmen und Ausgaben aufzuschreiben. Das wird ihnen helfen, eine Kontrolle über ihre Gewohnheiten des Geld-ausgebens zu bekommen. Ein verschwenderischer Schüler wird auch als erwachsener Mann verschwenderisch sein. Im Buch der Sprüche erkennen wir das erzieherische Prinzip: „Gewöhne einen Knaben an seinen Weg, so lässt er auch nicht davon wenn er alt wird.“  (Spr.22,6)