Kinder brauchen Disziplin

Heute gibt es bereits unter den Kleinkindern von 2 - 6 Jahren solche, deren Verhalten unerträglich ist.

Sie schreien, beißen, strampeln, werfen sich zu Boden. Sie gehorchen  nicht; sie sind so gut wie nicht zur rechten Zeit zum Essen oder Schlafen zu bringen. Sie gehen auf ihre Geschwister los und scheinen nur ihren unkontrollierten Impulsen zu folgen und machen so das Familienleben zur Hölle. Was läuft hier falsch? Die Eltern reagieren hilflos und entweder übermäßig duldend oder ebenfalls aggressiv. Dann wird geschimpft, gebrüllt und geschlagen, weil man anscheinend anders nicht mehr durchkommt. Oder doch?

 

 

 

Wenn ein gestörtes Familienleben wieder hergestellt und neu organisiert werden soll, dann muss man fast immer bei den Erwachsenen anfangen. Für jeden Beruf muss man zuerst eine Lehrzeit durchlaufen. Aber viele werden Eltern ohne überhaupt auf diese Aufgabe vorbereitet zu sein. Kein Wunder, dass heute immer mehr Väter und Mütter mehr oder weniger hilflos reagieren, weil sie die Grundprinzipien der Kindererziehung nicht mehr kennen. Ein solches Grundprinzip ist die richtige Anwendung von Disziplin.

 

 

 

Was verstehen wir unter Disziplin?

 

 

 

Unter Disziplin versteht man gewöhnlich Bestrafung, um Gehorsam  zu erzielen. Das aber ist zu eng gesehen. In dem Wort „Disziplin“ ist das lateinische Wort „discere“ enthalten, was so viel wie unterweisen, erziehen und ausbilden bedeutet. Disziplin beinhaltet die vollständige Charakterbildung des Kindes durch Förderung des guten Verhaltens und durch Korrigieren des unannehmbaren. Bestrafung ist nur ein Teil der Disziplin, ein vorübergehendes Abschreckungsmittel.

 

Ein guter Gärtner züchtet und beschneidet seine Pflanzen, damit sie gute Früchte hervor bringen. Unkraut dagegen gedeiht ohne besondere Sorgfalt. Wir müssen lernen, mit dem Kind umzugehen. Disziplin schließt daher alles ein, was die Eltern tun oder sagen, um ihrem Kind zur Reife zu verhelfen. Die Eltern müssen sich daher oft fragen: „Worin besteht das Hauptziel, auf das wir bei der Erziehung unserer Kinder hinarbeiten?

 

Wenn die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern gut sein sollen, so müssen die Eltern dem Verhalten des Kindes Grenzen setzen. Einfach zu sagen, Liebe ist alles, was man braucht um gute Eltern zu sein, ist unwahr. Jeder von uns kennt Eltern, deren Philosophie es ist, niemals „nein“ zu ihren Kindern zu sagen. Solche Eltern erziehen Kinder, die auf niemanden mehr Rücksicht nehmen.

 

 An einem Beispiel sehen wir wie wichtig Grenzen sind:

 

Ein Lehrer kaufte ein großes Goldfischglas und füllte es mit Wasser. Dann setzte er einige Fische hinein. Aber sie benahmen sich seltsam, drängten sich in der Mitte des Glases zusammen und blieben bewegungslos. Ein paar Tage später besorgte sich der Lehrer für das Glas bunte Steine. Nachdem er sie hineingetan hatte, schwammen die Fische frei herum. Die am Boden liegenden Steine zeigten ihnen die Wassergrenze an, die ihnen vorher nicht bekannt war.

 

Auf fast dieselbe Weise fühlt sich ein Kind, das die Grenzen seines Betragens nicht kennt, unsicher und ungeliebt. Es findet Freiheit, wenn es sicher seine Grenzen kennt.

 

Verantwortungsvolle Eltern müssen manche Entscheidung auch gegen den augenblicklichen Willen des Kindes treffen. Wenn sie nachgeben, obwohl sie wissen, was wirkliche Liebe für das Wohl des Kindes erfordert, werden sie nach und nach den Respekt des Kindes und das Kind selbst verlieren. Ein kluger Lehrer hat es gegenüber seiner Hauptschulklasse einmal so formuliert: „Was ihr jetzt von mir haltet, das ist mir ganz egal. Aber was ihr in zehn oder zwanzig Jahren von mir halten werdet, das ist mir wichtig!“

 

 

 

Die Qualitäten erfolgreicher Eltern

 

 Ein Kind muss wirklich angenommen sein. Kinder haben ein sehr feines Gespür dafür, wenn sie unerwünscht sind oder nicht akzeptiert werden. In diesem Fall ist es für sie schwer, sich als wertvoller Mensch zu fühlen.

 

  • Gleichbleibendes Verhalten der Eltern. Manche Eltern verhalten sich inkonsequent. An einem Tag überschütten sie das Kind mit Liebe und lassen alles durchgehen, am nächsten Tag sind sie unerbittlich streng und erlauben gar nichts. Das schafft Unsicherheit beim Kind und auch Heuchelei, denn es wird sich jedes mal  danach richten, ob die Eltern gerade einen „guten Tag“ haben oder nicht.
  • Die Aufstellung klarer Verhaltensgrenzen.  Die einzelnen Punkte mögen von Familie zu Familie verschieden sein. . Es ist wichtig, dass vom Kind klar verstanden wird, was es zu tun hat. Man soll nur wenige Gebote aufstellen, dann aber darauf achten, dass sie von allen Familienmitgliedern eingehalten werden., auch von den Erwachsenen. Das Kind muss wissen, dass es Konsequenzen hat, wenn es die Regeln nicht einhält. Bei Nichtbefolgung gibt es zuerst eine Ermahnung, dann eine angemessene Strafe und das soll konsequent durchgeführt werden. Wenn das Kind nicht lernt, zu Hause innerhalb von Grenzen zu leben, wird es Schwierigkeiten mit den Grenzen im Leben haben, wenn es einmal in die Welt hinausgeht.
  • Die Vorbildwirkung. Das kleine Kind reagiert auf Personen um sich herum und ahmt sie nach.

 

 

 

Es versucht wie diejenigen zu sein, die es liebt und bewundert. Die Persönlichkeit, zu der sich ein Kind entwickelt, hängt davon ab, welche Erwachsenen es geliebt und bewundert hat. Eltern sollten daher nie etwas tun, was sie von ihrem Kind nicht nachgeahmt haben wollen. Was die Eltern in ihrem eigenen Leben tun, ist weit wichtiger als das, was sie sagen oder die Einschränkungen, die sie auferlegen, denn das Kind ahmt die guten oder schlechten Eigenschaften nach. 

 

 

 

Ein Cartoon zeigte einen verwunderten Vater mit seinem Ellenbogen auf dem Esstisch. Er sah seine Frau der Länge nach an und beklagte sich: „Warum können sie nicht begreifen, dass keiner außer mir so sitzen darf ?“

 

Wie Eltern sich verhalten, ist mehr Vorbild für das Kind als das, was sie sagen. Wenn das nur mehr Vätern und Müttern bewusst wäre! Daher ist die Selbstbeherrschung ein vordringlichesVerhaltensziel für jeden Erzieher selbst. Wie soll man andere  führen, wenn man selbst keine Disziplin gelernt hat?

 

 

 

Ungezogene Kinder, so sagt die Heilige Schrift sind ein Zeichen der letzten Tage:  „Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos,.... lieblos, dem Guten feind... „  (2. Tim. 3, 1-3)

 

Doch Christen wissen: Gott möchte nicht, dass sich unsere Kinder frech, ungehorsam, ungezügelt und rücksichtslos benehmen. Es ist unsere Christenpflicht, gut geführte und disziplinierte Familien heranzubilden. Die Heilige Schrift, besonders das Buch der Sprüche und die Seelsorgebriefe des Apostel Paulus, geben uns wertvolle Ratschläge wie man dieses Ziel mit Gottes Hilfe erreichen kann.

 

 „Ihr Kinder seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn, denn das ist recht. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das eine Verheißung hat: „...auf dass dir´s wohlgehe und du lange lebest auf Erden“. Und ihr Väter reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sonder erzieht sie in der Zucht und Ermahnung zum Herrn.“   Eph. 6, 1-4

Erziehung braucht feste Regeln.

Ein achtjähriger Junge erzählte: „Wir hatten heute eine Aushilfslehrerin. Sie ließ uns tun, was wir wollten und wir mochten sie nicht!“

 

Kinder werden verwirrt und unglücklich, wenn man ihnen zu tun erlaubt, was sie als Falsch erkennen. Wenn man dem Kind dagegen klare Gebote gibt und es verstößt dagegen, wird es auch Strafe akzeptieren, denn es weiß dann genau, was es falsch gemacht hat. Geben Sie daher nur wenige wichtige Anordnungen, fragen Sie das Kind ob es verstanden hat und dann achten Sie darauf, dass diese befolgt werden.

 

 

 

Wann beginnt die Disziplin ?

 

 

 

Sobald das Kind anfängt, seinen Eigenwillen durchzusetzen, ist es Zeit, es an Ordnungen zu gewöhnen. Das kann bereits im Babyalter der Fall sein.

 

Viele Eltern machen den Fehler, dass sie meinen, das „liebe Kleine“ sei eben noch zu klein für eine Korrektur und man müsse warten, bis es älter geworden ist und man vernünftig mit ihm reden kann. Falsch! Auf diese Weise lässt man zu, dass sich Eigensinn und verkehrte Gewohnheiten festigen, bis sie zur zweiten Natur geworden sind. Eigentlich tut man Kindern Unrecht, wenn man sie nicht von klein auf an Disziplin gewöhnt, denn sie wachsen selbstsüchtig, ungezügelt und unliebenswürdig auf.  Wenn nicht bereits der erste Wutanfall gezügelt wird, wird die Eigensinnigkeit immer größer.

 

 

 

Die erste Lektion die die Kleinen lernen ist die Unterordnung ihrer diffusen Wünsche unter den weiseren Willen der Eltern. Das kann man erreichen durch eine gleichmäßige feste Behandlung. Die Kleinen müssen erkennen, dass sie durch Wutausbrüche, Geheule und Gequengle bei den Eltern nichts erreichen. Die Eltern dagegen  sollen selbstbeherrscht und freundlich den Willen des Kindes formen, anstatt immer nachzugeben, weil es der leichtere Weg ist. Kinder wenden auch häufig Tricks an, mit denen sie sich gegen Einschränkungen wehren oder verhalten sich ungezogen. Der Erwachsene muss das durchschauen und konsequent handeln.

 

Bei den Erwachsenen gibt es zwei Extreme in der Erziehung: übermäßige Großzügigkeit und eine sogenannte „Affenliebe“ oder eine totale Herrschaft über das Kind und harte Strenge. In beiden Fällen ist keine gesunde Entwicklung möglich.

 

Es ist beim heutigen Zustand der Gesellschaft wirklich keine leichte Aufgabe für Eltern, ihre Kinder auf den richtigen Weg zu führen.

Einige Richtlinien für hilfreiche Disziplin

Der Grundgedanke richtiger Korrektur ist das Gute im Verhalten zu fördern und das Böse zu überwinden.

 

  • Das gewünschte Benehmen wird eher durch positives Handeln erreicht, als durch Kritik und Strafe. Motivieren ist besser als schimpfen und nörgeln. Setzen Sie positive Anreize: „Wenn du heute dein Zimmer ordentlich aufräumst, dann darfst du morgen ins Schwimmbad gehen!“

 

            Das erfordert einiges Nachdenken, doch Belohnungen sind oft wirksamer als Strafen.

 

  • Erkennen Sie mögliche Probleme im Voraus und versuchen Sie, die Situationen vorher durchzudenken, bevor sich ein Konflikt entwickelt.
  • Bestrafen Sie auf Grund von Ursachen, nicht von Ergebnissen.  Die Lüge sollte strenger bestraft werden als eine verschüttete Limonade. Man muss auch zwischen Ungeschicklichkeit und Ungehorsam unterscheiden. Kinder setzen oft unüberlegte und unangenehme Handlungen, die durch wiederholtes Ermahnen gebessert werden. Vorsätzlich schlechtes Benehmen, frech sein oder gar boshafte Handlungen  darf man niemals durchgehen lassen!  

 

 

 

Nochmals:  Falsches Handeln muss korrigiert werden– Ungehorsam (oder vorsätzlich schlechtes Benehmen)  erfordert Bestrafung. 

 

Weitere Korrektur: Ein alter pädagogischer Grundsatz heißt: „Genügt der Blick, so spar das Wort; genügt das Wort, so steck die Rute fort!“ Mit einem Wort: Beginne immer mit dem mildesten Disziplinierungsmittel. Kinder haben eben unterschiedliche Charaktere. Bei einem sensiblen Kind genügt oft schon ein strenger Blick. Wer es zu grob anfasst, richtet Schaden in seiner Seele an. Andere haben ein „dickes Fell“ und brauchen schärfere Mittel. Reagiert das Kind einsichtig, wenn man ihm sein Fehlverhalten vorhält, dann ist die Strafe überflüssig.

 

  • Bestrafen Sie das Kind nicht dadurch, dass Sie es etwas tun lassen, woran es Freude haben sollte. Zum Beispiel haben Eltern ein Kind gezwungen zur Strafe in der Bibel zu lesen (oder im Schulbuch) oder eine Hausarbeit zu tun. Das wäre eine unkluge Bestrafung.
  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit Bestrafungen bei Tisch. Eine harmonische Atmosphäre bei den Mahlzeiten sollte angestrebt werden.
  • Passen Sie die Strafe dem Vergehen an. Sie muss angemessen sein. Öffentliche Demütigung oder Gruppenstrafen sind selten wirkungsvoll. Der Zweck der Strafe ist ja, dass das Kind wieder zur Vernunft kommt und sein verkehrtes Handeln einsieht.
  • Ein wichtiges Prinzip ist die Beobachtung, dass sich nach einer Bestrafung oft die Kommunikation verbessert. Das Kind muss genau verstehen, warum die Strafe notwendig war. Eine Aussprache sollte folgen, sowie Versöhnung und Ermutigung. Nach der Züchtigung kommen wir als Eltern dem Kind wieder mit offenen Armen entgegen. Wir machen dem Kind verständlich, dass jeder Fehler, jedes Versagen, jede Schwierigkeit, die überwunden wird, ein Sprungbrett zu höheren und besseren Dingen ist!

 

 

 

Gott kann keine Rebellen ins Reich Gottes aufnehmen. Deshalb macht er den Gehorsam gegen seine Gebote zu einer besonderen Forderung. Christliche Eltern sollten ihre Kinder darin schulen, was der Herr befiehlt. Sie sollten auch studieren, wie Gott der Herr mit seinen Kindern umgeht. Die Bibel enthält so viele wertvolle Erziehungsratschläge, dass jede christliche Mutter ihre eigene  „Supernanny“ sein könnte.

 

Was ist das Ziel einer christlichen Kindererziehung? Die Bibel beantwortet diese Frage so: “...dass der Mensch zu allem Guten fähig wird.“ (2. Tim. 3, 17)

 

Helfen Sie mit, den Charakter der zukünftigen Generation zum Guten zu formen, durch eine weise Disziplin aus einer liebenden Hand.

 

 

 

Quellenangabe:  „Wie führe ich mein Kind?“  E.G.White