Die Gebote im Alten und Neuen Testament

Gott erzieht seine Kinder, uns Menschen, stufenweise.

Zuerst kam der „Alte Bund" mit seiner Verkündigung am Berg Sinai, dann kam der „Neue Bund" durch Jesus Christus. Gott gab das Gesetz, damit es uns von unserer Sündhaftigkeit überzeugt, denn jede Gemeinschaft kann nur durch die Übereinstimmung am Leben erhalten werden. So ist es auch in der Gemeinschaft mit Gott. Darum gab Gott Gebote, damit wir seinen guten Weg erkennen und unseren verkehrten Weg aufgeben können.

Aus dem Hebräerbrief wird deutlich: Im Neuen Bund gibt Gott kein neues Gesetz, sondern nur einen neuen Platz für das Gesetz, nämlich im menschlichen Herzen: „Denn das ist das Testament, das ich machen will... nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihren Sinn geben und in ihr Herz will ich es schreiben..." (Hebr.8,10)

Das Gesetz Gottes verändern - das macht nur der Antichrist, wie er im Propheten Daniel beschrieben ist. (Dan. 7,25) Gott selbst verändert sein Gesetz niemals!!

Worin besteht also der Unterschied zwischen dem Alten und Neuen Bund? Melanchton, ein Mitarbeiter Luthers hat es in seiner „Loci theologice" (Hauptartikel christlicher Lehre) deutlich formuliert: Das Gesetz des Mose hat drei Teile:

  • Lex moralis, das Moralgesetz, oder das Gesetz vom Urteil Gottes wider die Sünde als ewiges Gesetz
  • Lex zeremonialis, Zeremonialgesetz, ein Gesetz über Opferdienst und Zeremonien
  • Lex judicialis, das bürgerliche Gesetz für das Volk Israel.

„Es ist ein sehr hoher Unterschied zwischen dem ersten, ewigen Text und zwischen den zwei vergänglichen Teilen und sollen alle Menschen diese Regel wissen und festhalten: In Summa: Wer diesen Bericht nicht hat vom Unterschied der vergänglichen Gesetze und des ewigen, der fällt in mancherlei Irrtum."

Die reformierte Kirche denkt genauso: „Der Deutlichkeit wegen teilen wir das Gesetz in das Sittengesetz, welches in zwei Tafeln oder zehn Geboten enthalten ist, und in den Büchern Mose erklärt wird; und in das Zeremonialgesetz, welches von den Zeremonien und dem äußeren Gottesdienst handelt."

gebote_alt_neu_clip_image002

 

Nochmals: Unter der jüdischen Heilsordnung gab es zwei Arten von Gesetz. Das Moralgesetz, die zehn Gebote, die das Verhältnis des Menschen zu Gott und zu seinen Mitmenschen regelten. Dieses Gesetz ist für alle Menschen und bis zum Ende aller Zeiten bindend!

Wie kann man beide Arten von Geboten unterscheiden, wenn in der Bibel vom „Gesetz" die Rede ist? Das jüdische Zeremonialgesetz wird häufig als „Gesetz des Mose", oder auch „Schatten", die „Handschrift", der „Schuldschein" oder als „Satzungen" (Dogma) bezeichnet. Das Zeremonialgesetz lehrte, wie Sühne für begangene Sünden erfolgen sollte, nämlich durch Opfervorschriften und durch den Heiligtumsdienst. Diese Art von Gesetz war bis zum Tode Jesu nur für die Juden bindend. Es wurde bei Tode Jesu „ans Kreuz genagelt", aufgehoben, außer Kraft gesetzt. Der Prophet Daniel hat dieses Geschehen schon Jahrhunderte vorher prophezeit:„Und nach den zweiundsechzig Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden.... Und mitten in der Woche wird das Opfer und Speisopfer aufhören." (Dan.9,27)
Diese beiden Gesetze sollten also niemals durcheinander gebracht werden!

Der evangelische Theologe Dr. Christoph Haufe ergänzt: „Wo Paulus in absoluter Schärfe gegen das Gesetz vorgeht, meint er das jüdische Kult- und Zeremonialgesetz, während seine Stellung zum sittlichen Gesetz (10 Gebote) durchaus keine antimonistische ist, (d.h. Ablehnung der Gebote), sondern die Verbindlichkeit dieses Gesetzes durchaus in Gültigkeit belässt.... Es ist einfach eine Tatsache, die anerkannt werden muss, dass Paulus überall dort, wo er gegen das Gesetz als einer auch für den Christen verbindlichen Norm spricht, das Kult- und Zeremonialgesetz im Auge hat, während die sittlichen Gebote weiterhin fordernder Wille Gottes bleiben."

Kurz gesagt: Paulus hat als einer der ersten in aller Deutlichkeit erkannt, dass mit dem Tode Jesu eine neue, bessere Heilsordnung eingesetzt worden ist (Neuer Bund) als die im Alten Testament.

Dadurch sind aber die Zehn Gebote als Gottes Hausordnung nicht außer Kraft gesetzt, sondern weiterhin gültig. Der Neue Bund ist lediglich ein besserer Heilsweg, weil er den Zwang von außen zu einem inneren Drang des Herzens umgewandelt hat. Im Neuen Bund kommt es also zu einer Verinnerlichung der Gebote und zur Vergebung der Sünde. Das Evangelium befreit den Menschen von der Strafe des Gesetzes, nicht aber von der Verpflichtung, in Übereinstimmung mit dem göttlichen Gesetz zu leben!

Hebt der Glaube die Zehn Gebot auf? Paulus gibt Antwort: „Wie? Heben wir das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern wir richten das Gesetz auf!" (bringen es zur Geltung) - (Röm.3,21)

Was antwortete Jesus als er gefragt wurde: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu ererben?" „Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote!" (Matth.19,17)

 

Verwechslungen

Leider kennen heute größere Teile der Christenheit diesen Unterschied zwischen dem ewigen und dem zeitlich befristeten Gesetz nicht, und so kommt es zu vielen Missverständnissen und Verwechslungen. Da jeder Christ aber am Ende seines Lebens von Gott nach dem großen Maßstab, den Zehn Geboten, gerichtet wird, ist es eine Heilsfrage, die genaue Wahrheit über die Gebote zu wissen.

Lieber Leser, bitte überprüfen Sie, nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben, folgende Aussagen:

  • „Wir leben im Neuen Bund",
  • „Wir stehen nicht unter dem Gesetz sondern unter der Gnade",
  • „Es gibt nur noch das Gesetz der Liebe",
  • „Wir werden nur durch den Glauben gerecht" oder
  • „Jesus hat das Gesetz bereits erfüllt".

Wir werden auf alle diese Einwände in der nächsten Blickpunkt-Ausgabe eingehen.

Fortsetzung folgt!