Die Ehe ist das, was man aus ihr macht

Beinahe aus der ganzen Welt treffen immer beunruhigendere Nachrichten über die Zahl der Ehescheidungen ein.

Die Scheidung wird weitgehend als einziger und nächstliegender Ausweg aus den Schwierigkeiten des ehelichen Lebens betrachtet. Es wird nur noch auf die augenblickliche Krise gestarrt und eine „unheilbare" Zerrüttung festgestellt. Das genügt in vielen Fällen, um zwei Menschen durch Richterspruch von ihrer eingegangenen Verpflichtung zu lebenslänglicher Treue zu entbinden. Sogar Kinder überlässt man dem oft grausamen Schicksal, Scheidungswaisen zu werden, im Augenblick, wo man sich gegenseitig mit bitteren Vorwürfen und Hassausbrüchen überschüttet und allen früheren Versprechungen zum Trotz ausschließlich den einen Ausweg der Scheidung sieht, denkt man nur noch an sich selber und schiebt alle Bedenken über die Folgen eines solchen Schrittes zur Seite.

 

Es ist ganz klar, dass weder Scheiden noch Zusammenflicken unter solchen Umständen das Problem an der Wurzel packt. Es geht vielmehr darum, der Ehe und dem Heim im täglichen Denken und Handeln wieder jenen Platz einzuräumen, der ihnen als göttlicher Stiftung zukommt. Zu viele Menschen haben sich anstecken lassen von einer Propaganda, die die Erfüllung sinnlicher Befriedigung höher stellt als die Ehe selbst. Wir sollten alles daransetzen, jungen Menschen wieder ein anderes Bild von der Ehe zu vermitteln, als ihnen heute vielfach vor Augen gestellt wird. Die Willigkeit muss geweckt werden, sowohl die Verantwortungen als auch die Freuden der Ehe zu übernehmen.

 

Alle Vorschläge, aus der Ehe eine zeitlich begrenzte Erfahrung von einigen Jahren zu machen oder sie mit gegenseitigen Kündigungsmöglichkeiten zu versehen wie einen Mietvertrag, beruhen auf mangelndem Vertrauen zu sich selbst und zum Partner; sie beweisen eine unverantwortliche Geringschätzung der Ehe und mangelnde Kenntnis ihres Wesens.

 

Die Ehe ist viel mehr; sie bedeutet, an einer der schönsten und herrlichsten Erfahrungen des Lebens teilnehmen zu dürfen. Schade, dass viele Leute aus ihr ein Schlachtfeld des kalten oder gar heißen Krieges machen! Das geschieht häufig, weil man mit irrigen Vorstellungen und darum unvorbereitet das Wagnis der Ehe auf sich nimmt.

 

Ein gewisses Quantum an Romantik und Feuer genügt nicht, eine glückliche Ehe zu führen. Die Ehe verlangt Arbeit an sich selbst und ständige Pflege wie ein Garten, von dem man eine gute Ernte erwartet.

 

Von einem Ehepaar sprach einmal die ganze Umgebung als von außergewöhnlich glücklichen Eheleuten. Viele erklärten, es sei schön und auch leicht, wenn sich so gut zusammenpassende Partner fänden wie in diesem Fall. Als der Mann schon ein Jahr gestorben war, schrieb die Witwe einem befreundeten Ehepaar folgenden Brief: „Ihr wisst, dass ich mit dem besten Mann verheiratet war, den eine Frau überhaupt finden kann. Alle dachten, es sei für ihn leicht gewesen, ein guter Gatte zu sein, aber ich weiß, dass das nicht stimmte. Niemand sah, wie sehr er sich für unsere Ehe einsetzte. Keiner, der meinen ruhigen und ausgeglichenen Mann in den letzten Jahren kannte, mag sich erträumen, welch hitziges Temperament ihm in den ersten Jahren der Ehe zu schaffen machte. Wie kämpfte er, Herr seiner aufflammenden Gefühle zu werden! Viele Stunden brachte er damit zu, über sich, die anderen, das Leben überhaupt nachzudenken und sich selbst zu erziehen. Wenn die Nachbarn und die Besucher sahen, wie er mit den Kindern umging und wie sie ihn liebten, glaubten sie, das sei sein Naturell gewesen. Aber in den früheren Jahren, wenn er ganz erschöpft von der Arbeit nach Hause kam, setzte er sich in seinen bequemen Stuhl, entspannte sich und fing an, die Zeitung zu lesen. Wenn dann die Kinder voller Leben hereinstürmten, war er versucht, sie hinauszujagen, wie dies so viele Männer tun; aber statt dessen legte er die Zeitung weg und widmete sich den Kindern. Viele, die unsere Ehe mitverfolgten, meinten, sie sei im Himmel geschlossen worden. Obwohl ich das auch glaube, kann ich Euch versichern, dass sie hier auf Erden gebaut wurde, und zwar durch Schweiß, Tränen, Selbstbeherrschung und ausdauernde Anstrengungen."

 

Eine glückliche Ehe fordert den ganzen Einsatz. Zu viele Ehen sterben, weil sich die Partner für ihre Ehe nicht voll einsetzen, sondern die Dinge laufen lassen. In jeder Ehe muss die Liebe genährt, gepflegt und ständig erneuert werden. Die Ehe ist kein sich selbst unterhaltendes Unternehmen, sie braucht die Unterstützung beider Partner.

 

Auch die Ehepartner sind immer mit Fehlern behaftete Menschen. Nichts, was sie tun, ist vollkommen. Am meisten zu schaffen machen ihnen meist die eigenen schlechten Gewohnheiten. Da diese manchmal recht harmlos erscheinen, wird ihnen oft nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Trotzdem sind sie wie „kleine Füchse, die den Weinberg verderben". Wenn ein Ehepartner ständig am anderen herumnörgelt, bei jeder Kleinigkeit in Zorn gerät, unversöhnlich ist und - von Selbstmitleid erfüllt - häufig schlechter Laune ist, sich mit „Notlügen“ rechtfertigt, statt zu seinem Fehler zu stehen, mit Unpünktlichkeit das Zusammenleben erschwert, die Arbeit und den Einsatz des anderen nie würdigt und ihm kaum mehr freundliche Aufmerksamkeit erweist, dann erstickt und erstirbt das Pflänzchen Ehe.

 

Zweifellos sollten wir unsere schlechten Gewohnheiten ernster nehmen und nicht denken, sie seien allmächtig und könnten nicht besiegt werden. In der Bibel wird dem Menschen die Hilfe und die Kraftquelle gezeigt, durch die er Vergebung und Sieg erlangen kann. Und keine Ehe kann bestehen, wo die Bitte um Vergebung gegenüber Gott und dem Ehepartner unterdrückt wird und wo man Vergebung und Versöhnung nicht erlebt. Selbstrechtfertigung jedoch versperrt den Weg zu beiden.

 

Die Liebe in der Ehe bedarf steter Erneuerung und Vertiefung, und dies ist nur möglich, wenn das Wunder geschieht, dass die Liebe Gottes in unseren Herzen lebt und das Leben durch seine Gnade umgestaltet wird. Nach der Statistik gehen nur ganz wenige Ehen, in denen sich beide Partner nach christlichen Grundsätzen ausrichten, in die Brüche. Je weniger der Botschaft und dem Geist Jesu in einer Ehe Raum gewährt wird, desto gefährdeter ist sie. Wo aber die Ehe auf den festen Grund Gottes aufgebaut wird, birgt sie das schönste und dauerhafteste Glück, das es auf dieser Erde gibt. Wer auf diesem Fundament aufbauen will und an seinem eigenen Charakter arbeitet, der darf mit Freuden - auch in der Frage der Ehe - Gottes Führung vertrauen und Mut zur Eheschließung fassen. Die Ehe ist das, was wir aus ihr machen. Wohl uns, wenn wir diese wunderbare Stiftung Gottes ehren und nach ihren Prinzipien handeln!